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Der Undiplomat: Von Obama bis Erdogan - Boris Johnson hat sie alle schon mal beleidigt

Sowohl als Journalist als auch als Politiker fiel Boris Johnson immer wieder mit höchst umstrittenen Äußerungen auf. In seinem neuen Job als britischer Außenminister könnte seine mangelnde Diplomatie zum Problem werden.

Boris Johnson mit den Händen in den Taschen

Boris Johnson hatte in der Vergangenheit für jedes Land einen bösen Spruch parat - jetzt wird er britischer Außenminister

In den sozialen Medien hoffen viele noch auf einen besonders bösen Scherz, die englische Tageszeitung "Daily Mirror" entschuldigt sich in ihrer heutigen Ausgabe auf der Titelseite gleich bei der ganzen Welt. Der Grund: Boris Johnson wird neuer britischer Außenminister. Jener Wortführer, der sich in der Brexit-Kampagne für einen EU-Austritt eingesetzt und damit zur Niederlage seines Parteifreundes, des konservativen Premierministers David Cameron, beigetragen hatte - nur um sich anschließend völlig unerwartet doch nicht für den Posten des Tory-Chefs und des Premierministers zu bewerben.

Politisch verbrannt ist er deswegen nicht - und auch nicht aufgrund seiner bisweilen krass undiplomatischen Äußerungen, mit denen er schon länger auffällt: Johnson schießt regelmäßig über das Ziel hinaus - zumindest gemessen an den Maßstäben, die spätestens ab sofort auf dem politischen Parkett für ihn gelten sollten. 

Anspielungen auf Obamas "kenianische Herkunft"

So warf er US-Präsident Barack Obama in einer Kolumne für die "Sun" aufgrund dessen "kenianischer Herkunft" eine grundsätzliche Abneigung gegen Großbritannien vor. Sogar eine Büste von Winston Chruchill habe Obama deshalb aus dem Oval Office entfernen lassen: "Manche sagen, es war ein Symbol der vererbten Ablehnung des teil-kenianischen Präsidenten gegenüber dem britischen Imperium - dessen wütender Verteidiger Churchill gewesen war", so Johnsons Wortlaut.

Menschen, die Johnson wohlgesonnen sind, könnten nun einwenden, dass Obama ja nicht mehr lange an der Macht ist. Dumm nur, dass Johnson es sich auch mit den Nachfolgern schon vor Amtsantritt verscherzt haben könnte. Über Hillary Clinton schrieb er 2008 in einem Text für den "Telegraph" die wenig schmeichelhaften Zeilen: "Sie hat gefärbte blonde Haare und Schmolllippen, einen eiskalten, stahlblauen Blick, wie eine sadistische Krankenschwester in einer Irrenanstalt."

Donald Trump, republikanischer Konkurrent der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Clinton, kommt bei Johnson kaum besser weg: "Der einzige Grund, warum ich manche Gegenden von New York meiden würde, ist das reale Risiko, Donald Trump zu begegnen", sagte Johnson im Dezember 2015 dem "Telegraph".

Berüchtigt sind auch Johnsons Aussagen über afrikanische Kinder: Diese nannte er einst "Negerbabies", die ausländische Besucher ihres Landes mit einem "Wassermelonen-Lächeln" begrüßen würden. Außerdem warnte er vor Reisen nach Papua-Neuguinea, wo man seiner Meinung nach aufpassen müsse, bei den dortigen "Kannibalismus-Orgien" nicht gefressen zu werden.

Boris Johnson: Guter Redner, schlechter Diplomat

Gegenüber europäischen Kollegen nimmt Johnson ebenfalls kein Blatt vor den Mund: EU-Präsident Jean-Claude Juncker bezichtigte er bereits des Betrugs, das Verhalten von Angela Merkel in der Böhmermann-Erdogan-Affäre bezeichnete er als widerlich - und dem türkischen Präsidenten widmete er in einem Interview mit der extrem konservativen Schweizer "Weltwoche" ein selbstverfasstes Limerick, in dem Erdogan als "grandioser Wichser" bezeichnet wird und - wie bei Böhmermann - ebenfalls auf Sex mit Ziegen angespielt wird.

Boris Johnson ist ein begnadeter Redner, eine kosmopolitische Figur auf der Weltbühne der Politik ist er zweifellos auch: Ur-Enkel eines Türken, in New York City geboren. Mehr oder weniger fließend spricht er Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. Keine schlechten Voraussetzungen für einen Außenminister. Allerdings gehört zum Job-Profil auch eine Fähigkeit zu umfassender Diplomatie. Und genau das könnte für Boris Johnson noch zum Problem werden.

tim