Bosnien-Herzegowina "Radovan, ergib dich"


Die Frau des ehemaligen Führers der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, hat ihren Mann per TV förmlich angefleht, sich der Justiz zu stellen. Über ihre Motivation wird nun heftig spekuliert.

"Radovan, falls du lebst, mich hören und frei entscheiden kannst, stell’ dich, um deiner Familie willen", flehte sichtbar erregt und den Tränen nahe Ljiljana Zelen-Karadzic in die Fernsehkamera. Sie bat ihren Mann Radovan Karadzic, der seit zehn Jahren auf der Flucht vor der Justiz ist, "von ganzem Herzen", sich für die Familie zu "opfern". Denn die Familie stehe unter ständigem Druck von "allen Seiten", und ihr Leben und ihre Existenz seien "bedroht", beklagte sich die 59-Jährige.

Warum hat sich die Diplom-Neuropsychologin, die jahrelang behauptete, keinen Kontakt zum ehemaligen politischen Führer der bosnischen Serben zu haben, gerade jetzt entschlossen, über die TV- Kanäle in Bosnien und Serbien ihren vom UN-Kriegsverbrechertribunal gesuchten Mann zur freiwilligen Übergabe aufzufordern? Darüber zirkulieren in Sarajevo und Belgrad die wildesten Spekulationen.

Spekulationen um Appell

Karadzic brauche ein "Alibi", um sein langjähriges Versteckspiel zu beenden, meint Rasim Ljajic, Minister für Menschenrechte von Serbien-Montenegro. Mit diesem "pathetischen" Aufruf habe die Frau ihrem Mann dieses Alibi gegeben, meint Ljajic. Anderer Meinung ist Filip Svarm, Redakteur des Belgrader Nachrichtenmagazins "Vreme": Mit dem Aufruf wolle die Familie der NATO und allen, die Karadzic jagten, zeigen, dass sie keinen Kontakt zu dem Flüchtling habe und dass man sie in Ruhe lassen solle. Vielleicht ist aber dem früheren Psychiater und Dichter auch das Geld ausgegangen, und er kann seine Leibwächter nicht mehr bezahlen, vermuten manche.

In den vergangenen Monaten hatten internationale Soldaten mehrmals die Karadzic-Wohnungen nahe Sarajevo durchsucht, Dokumente beschlagnahmt, den Sohn Aleksandar mehrere Tage in einem Stützpunkt gefangen gehalten. Die Bankkonten der Familie seien seit Jahren gesperrt, und die Familie stehe unter "schrecklichem" Druck, beklagt sich Radovans Bruder Luka. "Und was passiert, wenn Radovan nicht frei ist und nicht für sich selbst entscheiden kann?", fragt sich Luka, der von Menschenrechtsgruppen Schutz für die "bedrohte" Karadzic- Familie verlangt. Wer Radovan festhalten könnte, sagt er jedoch nicht.

Dubravko Kolendic/DPA DPA

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