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Staatssekretär von Georgia Brad Raffensperger: Wie der "meistgehasste Mann der Republikaner" Donald Trump erneut auflaufen ließ

Brad Raffensberger (l.) und Donald Trump
Ziemlich beste Feinde: Brad Raffensberger (l.) und Donald Trump
© Jessica McGowan / AFP, Patrick Semansky / AP / DPA
Georgias Secretary of State steht unter Beschuss aus dem Trump-Lager. Brad Raffensperger, auch Republikaner, musste in den vergangenen Monaten viele Angriffe aushalten. Und dann kam der Anruf des Präsidenten.

Er ist sturmerprobt – eine Eigenschaft, die er dieser Tage gut gebrauchen kann: Brad Raffensperger, 65 Jahre alt, Secretary of State im US-Bundesstaat Georgia, Republikaner. Als Staatssekretär ist er so etwas wie der Innenminister des Bundesstaats und damit auch für die Wahlen zuständig. Was Raffensperger nun zu der Schlüsselfigur im jüngsten Skandal um den noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump macht.

Wie unter anderem die "Washington Post" berichtet und anhand eines brisanten Telefonat-Mitschnitts belegt, hat Trump Raffensperger in einem rund einstündigen Gespräch dazu aufgefordert, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Georgia zu seinen Gunsten zu verändern. Er dränge ihn, noch genug Stimmen zu "finden", damit Trump Wahlsieger Joe Biden noch überholen könne. Der Präsident warnte in dem Telefonat, dass Raffensperger ein "großes Risiko" eingehe, wenn er seiner Forderung nicht nachkomme (lesen Sie hier mehr dazu).

Doch Raffensperger blieb standhaft, ließ das Bitten, das Flehen, die Drohungen seines Parteikollegen Donald Trump abprallen. "Wir denken, dass unsere Zahlen richtig sind", sagte er. Zweimal waren in Georgia die Stimmen nachgezählt worden – wie auch andernorts gab es keinerlei Hinweise auf Wahlmanipulationen. Joe Biden hat den Bundesstaat mit rund 12.000 Stimmen Vorsprung gewonnen.

Brad Raffensperger: "Meistgehasster Mann der Republikaner"

Mit der Veröffentlichung des Gesprächsmitschnitts durch mehrere US-Medien wurde der Ruf des Republikaner Raffensperger als "meistgehasster Mann in seiner Partei" (CNN-Politik-Analyst Chris Cillizza) einmal mehr bestätigt. Inzwischen tobt eine öffentliche Schlacht um die Deutung des Telefonats in den sozialen Netzwerken – vor allem von Seiten der Republikaner gibt es mitunter heftige Angriffe gegen Georgias Secretary of State.

Den Zorn seiner Partei hatte der 65-Jährige bereits im vergangenen November auf sich gezogen – schon damals musste er als Blitzableiter für Donald Trump und seine Anhänger herhalten. Der Präsident bezeichnete Raffensperger als "sogenannten" Republikaner, nachdem eine erste händische Neuauszählung der Stimmen in Georgia den Vorsprung Bidens auf Trump sogar vergrößerte – andere Parteikollegen forderten Raffensperger gar zum Rücktritt auf. 

Morddrohungen gegen Brad Raffensperger

Der wiederum berichtete von einem Anruf des republikanischen Senators Lindsey Graham, einem Trump-Getreuen, in dem er indirekt gefragt worden sei, ob ein Verschwindenlassen von Stimmen für Biden möglich sei. Raffensperger stellte mehrfach klar, dass es von seiner Seite aus keinerlei Manipulationen am Wahlergebnis geben werde und wie wichtig ihm seine persönliche Integrität sei.

Es folgten erbarmungslose öffentliche Scharmützel über Social-Media-Kanäle, TV-Sender, Zeitungen. Am Ende musste Raffenspergers Familie von der Polizei bewacht werden. Dem britischen "Guardian" schilderte der dreifache Familienvater eindrücklich, was es konkret bedeutet, "der meistgehasste Mann in der Partei" zu sein. Seine Frau sei die erste gewesen, die Morddrohungen erhalten habe, sagte er. "Dann fing ich an, sie zu bekommen. Dann begann sie, sexualisierte Texte zu bekommen. Bedrohliches Zeug." Außerdem seien Karawanen von Bewaffneten Trump-Unterstützern an seinem Haus vorbeigezogen und hätten gefordert, den vermeintlichen Wahlbetrug zu stoppen.

Dass er, der bisher schon ein Feindbild für das Trump-Lager war, nun erneut Zielscheibe von deren Angriffen ist, dürfte damit kein Zufall sein. Schon nach den Verwerfungen kurz nach der Wahl hatte Raffensperger sich vom Präsidenten und Teilen der Partei distanziert – und die republikanischen Werte hochgehalten: "Ist das etwas, was George Washington getan hätte?", fragte er seinerzeit. "Ist das die Art von Verhalten, die die Gründerväter dieser großen Republik gezeigt hätten?" 

Und auch diesmal – nach der Veröffentlichung des brisanten Telefonats – dürften sich Trump und seine Anhänger an dem Republikaner die Zähne ausbeißen. Auf die haltlosen Anschuldigungen des Präsidenten, Raffensperger würde Wahlbetrug unter den Teppich kehren, antwortete er: "Bei allem Respekt, Präsident Trump: Was Sie erzählen, ist nicht wahr. Die Wahrheit wird herauskommen."

Brad Raffensperger weiß: Auch dieser Sturm wird vorüberziehen.

Quellen: "Washington Post", CNN, "Guardian", Brad Raffensperger bei Twitter, Nachrichtenagenturen DPA und AFP


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