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Brasiliens Präsidentschaftskandidat Campos Eine Planänderung führte in den Tod


Präsidentschaftskandidat Eduardo Campos galt als großes politisches Talent in Brasilien. Sein Tod schockiert das ganze Land. Ursprünglich wollte er die Absturzmaschine gar nicht besteigen.
Von Jan Christoph Wiechmann, Rio de Janeiro

Er war seit Wochen nur unterwegs. Auf den Feldern der Plantagenarbeiter, in den Hörsälen der Universitäten, in den Fabriken des Landes zwischen Amazonas und Küste. Verzweifelt versuchte Eduardo Campos den Vorsprung der anderen zu verkleinern - der Präsidentin Dilma Rousseff und ihres ärgsten Konkurrenten, Aecio Neves. Knapp zwei Monate hatte er noch Zeit bis zu den Wahlen am 5. Oktober, und er wusste: Es wird eng.

Eduardo Campos, 49, Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei, galt als Hoffnung vieler Linker. Er war Minister unter Präsident Lula gewesen und Gouverneur des Staates Pernambuco, er hatte zudem Brasiliens größtes politisches Talent an seiner Seite, die Umweltschützerin Marina Silva. Für viele waren sie ein Traumduo, auch wenn die Umfragen sie nur bei acht Prozent sahen.

Gestern wollte Campos von Rio de Janeiro zu einem Wahltermin nach Guaruja fliegen, nahe der Hafenstadt Santos. Kurzfristig hatte er seine Pläne geändert. Statt an einem Termin der Zeitschrift "Exame" in Sao Paulo teilzunehmen, wollte er sich lieber in den Straßenwahlkampf stürzen. So stieg er gegen 9.30 Uhr mit vier Beratern in eine Cessna 560 XL. Marina Silva wollte eigentlich mitfliegen, aber im letzten Moment entschied sie sich um. Sie nahm einen Linienflug.

Auch seine Frau Renata Campos, eine Ökonomin, wollte ursprünglich in die Cessna steigen. Sie begleitete ihren Mann fast immer. Aber auch sie entschied sich dagegen. Stattdessen flog sie mit ihrem jüngsten Sohn Miguel, gerade mal sechs Monate alt, nach Recife, in die Heimat der Familie.

Die Campos haben fünf Kinder. Während der Fußball-WM zeigte sich Campos häufig mit ihnen, mal im Brasilien-Trikot, mal an der Seite von Fußballstars wie Romario oder Ronaldo. Eduardo und Renata hatten sich schon als Teenager ineinander verliebt, er war 15 gewesen, sie 13. Sie galten als perfekte Familie. Erst am Sonntag, dem brasilianischen Vatertag, hatten sie seinen 49. Geburtstag zusammen gefeiert.

Pilot fühlte sich müde

Noch sind die genauen Ursachen des Absturzes nicht geklärt. Beim Anflug auf Guaruja um 9.50 Uhr setzte der Pilot einen Funkspruch ab, die Sicht sei schlecht. Es regnete. Dann brach der Funkverkehr ab. Der Pilot galt als erfahren, gab aber zu, dass die Monate mit Campos ihm zusetzten. "Total müde", schrieb er am Freitag auf Facebook.

Am Boden warteten derweil alle auf die Cessna, aber sie kam einfach nicht. Dann traf die Nachricht ein: Die Maschine ist gegen 10 Uhr in ein Haus gestürzt. Sieben Menschen sind tot. Sieben weitere schwer verletzt.

Campos kam aus einer politischen Familie. Seine Mutter war Ministerin. Der Großvater wurde 1964 während der Militärdiktatur aus dem Gouverneursamt gejagt. Er war der Ziehvater des talentierten Eduardo. Auch er starb an einem 13. August, vor neun Jahren.

Spitzenkandidatin der Sozialistischen Partei wird nun wohl Marina Silva werden, die viele einst als Brasiliens weibliche Ausgabe Barack Obamas sahen. Dass sie die Wahl gewinnen könnte und Brasiliens nächste Präsidentin wird, ist allerdings eher unwahrscheinlich.


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