Brauchtum Neujahrsfest im Bunker


Muslime in Bagdad begehen ihr Neujahrsfest «Newroz» in diesem Jahr im Bunker. Das bedeutende Fest am Freitag fällt auf den zweiten Tag des Angriffskriegs gegen den Irak.

Die Bagdader Muslime feiern «Newroz» diesmal im Bunker. Das bedeutende Fest am Freitag fällt auf den zweiten Tag des amerikanisch-britischen Kriegs gegen den Irak. Am Tag des kalendarischen Frühlingsbeginns feiern traditionell Schiiten wie Sunniten, Kurden, Türken und Iraner «Newroz» (den «neuen Tag»). «Uns ist nicht nach Freude und Feiern, da wir den Tod jede Minute vor Augen haben», sagt die 45-Jährige Um Ahmad aus Bagdad. «Wir werden in den Bunkern bleiben bei den aufgestapelten Lebensmittelkonserven und den Brennstofftanks», schildert die Hausfrau.

Bunker statt Picknick

Statt wie sonst an den Ufern von Euphrat und Tigris zu picknicken, suchen Bewohner der irakischen Hauptstadt aus Angst vor Bomben Schutz. Normalerweise pilgern zu «Newroz» Menschenmassen aus Bagdad ins Grüne und begrüßen den Frühling mit besonderen Ritualen im Freien. In diesem Jahr haben viele aus Angst vor Luftangriffen die Stadt schon vor dem Fest verlassen, etwa die Angehörigen von Mazen Hmoud. «Wir haben sogar vergessen, wie man lächelt», sagt er.

Versuchte Normalität

Andere hingegen versuchen trotz des neuen Krieges - dem dritten seit dem Krieg gegen den iranischen Nachbarn (1980-1988) und dem Golfkrieg von 1991 - weiter ein Leben in geregelten Bahnen. Der 50- Jährige Jussef erzählt, er habe sich auch am Mittwoch wie gewöhnlich Schlafen gelegt, obwohl in der Nacht das US-Ultimatum an den irakischen Machthaber Saddam Hussein ablief. «Mein 20 Jahre alter Sohn Hossam spielte noch Kriegsspiele am Computer - er weckte mich dann und sagte, dass der Krieg ausgebrochen ist.»

Kein rein kurdisches Fest

Das «Newroz»-Fest prägte sich in Europa als rein kurdisches Fest ein, weil die um Unabhängigkeit bemühten Kurden es in den 1990er Jahren dazu nutzten, zum Widerstand gegen die Türkei aufzurufen. Die Perser feierten «Nauroz», wie es im Persischen heißt, schon seit vorislamischer Zeit und widmeten das Neujahrsfest der Befreiung und der Fruchtbarkeit. Turkvölker im Kaukasus und in Zentralasien feiern «Newroz» als «Erwachen der Natur vom Winterschlaf, Tag der Einheit, des Friedens, des Segens und der Fruchtbarkeit».


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