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Burkina Fasos Staatschef Compaoré: Ende des 80-Prozent-Präsidenten

Blaise Compaoré war 36 Jahre alt, als er sich in Burkina Faso an die Macht putschte. Jetzt, 27 Jahre später, reicht es seinem Volk. Am Ende hatte er zu viele Feinde im eigenen Land.

Blaise Compaoré in Paris: Hilfe für Frankreichs Kampf gegen Islamisten

Blaise Compaoré in Paris: Hilfe für Frankreichs Kampf gegen Islamisten

Etwas kleiner als Deutschland, 16 Millionen Einwohner, überwiegend Moslems, und bettelarm. Das ist Burkina-Faso, das Reich von Blaise Compaoré. Oder vielmehr war es sein Reich, denn Compaoré gibt die Macht ab, nach 27 Jahren. Eigentlich hätte der 63-jährige Autokrat gerne noch etwas weitergemacht, aber da war sein Volk vor. Nachdem er es von seinen Plänen in Kenntnis setzte, noch fünf bis 15 Jahre zu regieren, kam es zu Massendemonstrationen, bei denen das Parlament verwüstet wurde, das Gebäude der Regierungspartei in Flammen aufging und mehrere Menschen ums Leben kamen.

Fast drei Jahrzehnte, nachdem er sich an die Staatsspitze geputscht hat, wünschen sich seine Landsleute einen Wechsel. Der wurde nun vom Militär herbeigeführt. Die burkinischen Streitkräfte haben den Ausnahmezustand ausgerufen, das Parlament aufgelöst und die Bildung einer Übergangsregierung angekündigt, die ein Jahr im Amt bleiben soll. Und Blaise Compaoré? Angeblich soll er diese Schritte persönlich veranlasst haben. Doch es gibt Zweifel daran. Nicht auszuschließen, dass der Präsident, der früher selbst oft und gerne gepuscht hatte, nun selbst Opfer eines Staatsstreichs geworden ist.

Der schöne Blaise

Compaoré, der zur Volksgruppe der Mossi gehört, wurde am 3. Februar 1951 in der Hauptstadt Ougadougou gehört geboren.Er stieg schnell bei der Armee auf und unterstützte eine Reihe von Putschen, an deren Ende er 1987 selbst in den Präsidentenpalast einzog. Dafür musste er in seinem letzten, dritten Putsch Thomas Sankara, seinen Freund aus Kindertagen und politischen Weggefährten, entmachten. Sankara, der bis heute populäre Vater der "demokratischen Volksrevolution", wurde Mitte Oktober 1987 getötet. Es war das Ende der marxistisch inspirierten Bewegung Sankaras.

Damals war Compaoré gerade einmal 36 Jahre alt. Am Ende seiner damaligen "Berichtigungskampagne" hing der im Volksmund "schöner Blaise" gerufene Compaoré die Uniform an den Nagel und führte 1991 eine Mehrparteiendemokratie ein. Im selben Jahr ging er als Sieger aus den von der Opposition boykottierten Wahlen hervor. Bei seiner Wiederwahl in den Jahren 1998, 2005 und 2010 erreichte Comparé jedes Mal den dubiosen Wert von mehr als 80 Prozent der Stimmen.

In seine Amtszeit betätigte sich Compaoré auf dem internationalen Parkett und besserte nicht nur bei der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich sein Image auf. Zugleich vermuten ihn die Vereinten Nationen hinter dem Schmuggelgeschäft mit Waffen und Diamanten in Westafrika. Zu Compaorés guten Kontakten zählen Libyens langjähriger Machthaber Muammar al Gaddafi und Liberias Präsident Charles Taylor, der 2012 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wird.

Zu viele Feinde im eigenen Land

Compaoré soll auch an der Eskalation des Konflikts in der benachbarten Elfenbeinküste 2002 mitverantwortlich gewesen sein. Dennoch oder gerade deshalb empfahl er sich dort fünf Jahre später als erfolgreicher Vermittler bei den Friedensverhandlungen. In den Konflikten in Guinea und Togo spielte Compaoré eine ähnliche Rolle. Zuletzt war er Partner der französischen Regierung bei deren Versuch, in Mali wieder Stabilität herzustellen und die Islamisten in der Sahel-Zone zu schwächen.

Doch im eigenen Land machte er sich weiter Feinde. Im Dezember 1998 wurden der Journalist Norbert Zongo und drei Begleiter tot in einem ausgebrannten Auto aufgefunden. Zongo recherchierte damals zu einem Mordfall, in den Compaorés Bruder verwickelt sein soll. Infolge der resultierenden Staatskrise wurde die Verfassung abgeändert und die Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre gekürzt, bei maximal einer Wiederwahl.

Mit 15 weiteren Jahren gedroht

Dennoch kandidiert der Machthaber 2005 erneut, weil das neue Gesetz nicht rückwirkend auf bisherige Amtszeiten angerechnet wird. 2011 überstand Compaoré eine Meuterei der Armee, auch wenn er zwischenzeitlich aus der Hauptstadt fliehen musste.

Im Herbst 2015 wäre auch die zweite fünfjährige Amtszeit Compaorés nach der Verfassungsänderung vorbei. Doch schon im Juli sagte er dem Magazin "Jeune Afrique", er habe keine Lust, "dem Verfall meines Landes zuzusehen, während ich mich ausruhe oder die Welt bereise". Die nun angestrebte Verfassungsänderung könnte Compaoré nach Rechnung der Opposition 15 weitere Amtsjahre bescheren. Damit ist es nun wohl vorbei.

nik/AFP / AFP