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Umsturz in Burkina Faso: Armee entmachtet Regierung und löst Parlament auf

Das Parlament in Flammen, Polizisten auf der Flucht: Nach den gewalttätigen Protesten gegen eine weitere Amtszeit von Präsident Compaoré stürzt das Militär die Regierung und übernimmt die Macht.

Demonstranten dringen in das Parlament in Burkina Faso ein. Die Polizei musste sich zurückziehen.

Demonstranten dringen in das Parlament in Burkina Faso ein. Die Polizei musste sich zurückziehen.

Nach den gewaltsamen Protesten in Burkina Faso hat die Armee die Macht in dem westafrikanischen Land übernommen. Die Regierung sei abgesetzt und das Parlament aufgelöst worden, teilte das Militär bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend in Ouagadougou mit. Es werde nun ein Übergangsgremium eingesetzt, das in den kommenden zwölf Monaten die verfassungsmäßige Ordnung wieder herstellen solle. Die Armee verkündete außerdem eine landesweite Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 6 Uhr.

Zuvor haben hunderte Demonstranten aus Protest gegen die Weichenstellung für eine weitere Amtszeit von Präsident Blaise Compaoré das Parlament gestürmt und Feuer gelegt. Vor einer Abstimmung über eine entsprechende Verfassungsänderung drangen sie in das Gebäude der Nationalversammlung in Ouagadougou ein, verwüsteten Büros, setzten Akten und Autos im Innenhof in Brand und schleppten Computer fort. Der Parlamentssitz war von schwarzem Rauch umhüllt, ein Helikopter überflog das Gebäude, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Sicherheitskräfte hatten zunächst versucht, die Demonstranten mit Tränengas zurückzudrängen, dann traten sie selbst den Rückzug an. Die aufgebrachten Demonstranten - überwiegend junge Leute - schrien: "Befreit Kosyam". Kosyam ist der Name des Präsidentensitzes.

Compaoré seit 27 Jahren an der Macht

Die Opposition hatte ihre Anhänger schon seit Tagen aufgerufen, zur Nationalversammlung zu marschieren. Nach der Erstürmung des Parlamentsgebäudes rückten weitere Demonstranten auch auf den Sitz des nationalen Fernsehsenders vor, wie ein AFP-Korrespondent weiter berichtete.

Präsident Compaoré ist seit 27 Jahren in dem westafrikanischen Land an der Macht. Die geplante Verfassungsänderung würde den Weg zu einer Kandidatur für eine weitere fünfjährige Amtszeit freimachen. Die EU hatte die Regierung aufgerufen, die Verfassung nicht zu ändern, weil dies den demokratischen Prozess gefährde.

mka/AFP / AFP