HOME

Rücktritt von Blaise Compaoré: Burkina Fasos "Schwarzer Frühling"

Nach massiven Protesten in Burkina Faso tritt Präsident Blaise Compaoré ab. Fast drei Jahrzehnte hat er den bitterarmen Staat gelenkt. Beobachter sprechen von einem "Schwarzen Frühling".

Demonstranten feiern den Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré

Demonstranten feiern den Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré

In Afrika ist es eher die Ausnahme, dass ein Volk sich gegen seine Herrscher erhebt - so wie in Burkina Faso geschehen. Die Opposition spricht in Anlehnung an den "Arabischen Frühling" bereits hoffnungsvoll von einem "Schwarzen Frühling". Denn abgesehen von kleineren Unruhen war es bisher die Regel, dass sich die resignierte schwarze Bevölkerung in die undemokratischen Zustände fügt. So ist auch zu erklären, warum in so vielen Ländern des Kontinents die Präsidenten seit Jahrzehnten relativ ungestört an der Macht kleben.

Blaise Compaoré, der langjährige Staatschef des kleinen westafrikanischen Burkina Faso, ist ein Paradebeispiel: Ende der 1980er Jahre putschte er sich an die Spitze des Landes und wollte seither nicht mehr weichen. Bereits im Jahr 2000 ließ er zu diesem Zweck die Verfassung ändern. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen im kommenden Jahr sollte das Parlament ihm nun erneut den Weg zu einer weiteren Amtszeit ebnen. Stattdessen musste er seinen Hut nehmen. Das hat ihn selbst wohl am meisten überrascht.

Er war sicher nicht der schlimmste aller Langzeitherrscher in Afrika, der 63-Jährige befindet sich in illustrer Gesellschaft: Man denke etwa an den greisen Robert Mugabe, der Simbabwe seit 1987 kontinuierlich in den Ruin führt. Oder an den Despoten Omar al-Baschir, der den Sudan seit 1989 mit eiserner Hand lenkt, obwohl gegen ihn schon seit Jahren ein Haftbefehl wegen Völkermordes vorliegt.

Compaoré unterstützte brutale Warlords

Aber es ist auch kein Geheimnis, dass Compaoré in seiner dunklen Vergangenheit brutale Warlords wie den ehemaligen liberianischen Präsidenten Charles Taylor unterstützt hat. Auch ist bis heute ungeklärt, welche Rolle er bei der Tötung seines Vorgängers Thomas Sankara gespielt hat, der während des Putsches 1987 auf mysteriöse Weise ums Leben kam.

Das Magazin "Africa Confidential" kommentierte die Proteste: "Compaoré hat kaum noch Alternativen. Wenn er im Amt bleibt, dann werden die Massenproteste weitergehen. Wenn er abtritt, könnte er sein ganzes Geld verlieren und zudem vor Gericht gestellt werden." Dieser Fall ist nun eingetreten - er musste abtreten. Bleibt die Frage: Wird er sich in gewohnter Manier afrikanischer Diktatoren der Verantwortung entziehen und ins Exil in ein freundlich gesinntes Nachbarland gehen?

In Burkina Faso kann er kaum bleiben, zu groß ist die Wut der Bevölkerung. Ärger und Verzweiflung hatten sich seit Jahren aufgestaut, und die Aussicht, Compaoré womöglich weitere fünf Jahre als Präsident ertragen zu müssen, brachte das Fass zum Überlaufen. Tagelang zogen Tausende Bürger durch die Straßen von Ouagadougou und setzten mehrere Regierungsgebäude in Brand.

"Revolution" im bitterarmen Land

Ein erfolgreiches Erbe hinterlässt der Präsident nicht: Von den 17 Millionen Einwohnern lebt die Hälfte weiterhin unter der absoluten Armutsschwelle, wohl auch, weil die ehemalige französische Kolonie fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen ist.

Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet und im "Human Development Index 2013" rangiert das Binnenland auf Platz 181 von insgesamt 187. Von dem in so vielen Ländern des Kontinents hoch gepriesenen Wirtschaftswachstum, das auch in den Statistiken für Burkina Faso auftaucht, profitieren nur die wenigsten.

Beobachter sprechen von einer "Revolution" in dem bitterarmen Land. Einer kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: "In der Ukraine hat es vier Monate gedauert, bis die Revolte in Fahrt kam. In Ägypten waren es drei Wochen. In Burkina Faso nur drei Tage." Ob dies aber wirklich der Beginn eines "Schwarzen Frühlings" ist, bleibt abzuwarten.

Carola Frentzen, DPA / DPA