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CHINA: Nervenkrieg beendet: US-Crew frei

Peking hat die Besatzung des US-Flugzeugs freigelassen und damit den diplomatischen Streit mit den USA vorerst beigelegt.

China hat die Besatzung des notgelandeten US-Aufklärungsflugzeugs freigelassen und damit den diplomatischen Streit mit den USA vorerst beigelegt. Eine Charter-Maschine mit den 24 Amerikanern an Bord landete am frühen Morgen (MESZ) auf dem US-Pazifikstützpunkt Guam. Nach einer medizinischen Untersuchung auf Hawaii soll die Besatzung am Osterwochenende auf das amerikanische Festland zurückkehren. US-Präsident George W. Bush hatte am Vortag den Weg für eine Beilegung des Streits frei gemacht und tiefes Bedauern über den Tod des chinesischen Piloten geäußert, dessen Jagdflieger am 1. April mit der US-Maschine kollidiert und abgestürzt war. Nach elf Tagen diplomatischer Gespräche blieb die Zukunft umstrittener US-Aufklärungsflüge über China offen.

Um 01.29 Uhr MESZ startete die Charter-Maschine der Continental Micronesia Airlines vom Flughafen der Insel Hainan, auf der die Besatzung seit dem 1. April festgehalten worden war. Die Besatzung war auf Haikou in einem Gästehaus des Militärs festgehalten, jedoch nach amerikanischen Angaben gut behandelt worden. US-Diplomaten hatten die 21 Männer und drei Frauen mehrfach besuchen dürfen.

Auf der US-Insel Guam im Pazifik wurde die Besatzung auf dem Luftwaffenstützpunkt Andersen vom Kommandeur der US-Marine in der Region, Konteradmiral Tom S. Fellin, begrüßt. Nach einer Stärkung mit Fleisch, Kartoffelbrei, Baguette und Keksen sowie Telefonaten mit den Angehörigen sollte sie wenige Stunden später an Bord einer C-17 Globemaster nach Hawaii weitergeflogen werden. Dort soll die Crew umfassend zu dem Vorfall befragt und von ärztlich untersucht werden.

Bush hatte am Mittwoch an der Universität in Greenville in North Carolina angekündigt, dass die Amerikaner bald freikämen. »Wir können es gar nicht abwarten, bis sie wieder zu Hause sind«, sagte Bush unter dem Beifall der Zuhörer. Die Vereinigten Staaten fühlten Stolz auf die Besatzung und seien ihr dankbar. Die Angehörigen der Besatzungsmitglieder hätten einiges durchgemacht. Und was den notgelandeten US-Soldaten widerfahren sei, mache deutlich, welche Opfer US-Militärangehörige zur Sicherung des Friedens Tag für Tag brächten. Während seiner Rede skandierte das Publikum immer wieder frenetisch: »USA, USA«.

Beiderseitige Gespräche geplant

Bushs Sprecher Ari Fleischer sagte, der US-Präsident freue sich sehr für die Besatzung und deren Familien. Zudem sei Bush froh, dass der Vorfall nicht zu einer Krise mit China geworden sei. In chinesischen Medien wurde Chinas Präsident Jiang Zemin hingegen mit den Worten zitiert, die Angelegenheit sei noch nicht vollständig geregelt. »Wir hoffen, dass die US-Seite den Standpunkt Chinas zu dem Vorfall ernst nimmt und ihn angemessen behandelt«, sagte Jiang der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhus zufolge bei einem Staatsbesuch in Südamerika.

Für kommenden Mittwoch sind Gespräche beider Seiten über den Vorfall geplant. Dabei dürfte es unter anderem um die von den USA geforderte Rückgabe des am Bug und den Propellern beschädigten Spionageflugzeugs gehen. In US-Regierungskreisen hieß es, die USA hielten weiter an ihren Aufklärungsflügen über China fest und hätten nicht die Absicht, über die Häufigkeit oder die Routenplanung zu verhandeln.

Die Regierung der Volksrepublik China hatte die baldige Rückkehr der Besatzung des US-Aufklärungsflugzeugs zugesagt, nachdem die US-Regierung in einem sorgfältig formulierten Brief auch die unerlaubte Notlandung des Flugzeuges auf Haikou bedauert hatte. Damit sah China seine Forderung nach einer Entschuldigung für den Zwischenfall offenbar als erfüllt an. Nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell sind wegen des Vorfalls keine langfristigen Beeinträchtigungen für die amerikanisch-chinesischen Beziehungen zu erwarten.