HOME

Christenprozess: Geisteszustand entscheidet über Leben und Tod

Der zum Christentum konvertierte Abdur Rahman befindet sich in einer prekären Lage. Wird er für zurechnungsfähig erklärt, droht ihm eine Anklage und die Todesstrafe.

Der Fall des zum Christentum übergetretenen Afghanen Abdur Rahman hängt der Staatsanwaltschaft zufolge von seiner Zurechnungsfähigkeit ab. Der Geisteszustand Rahmans werde untersucht, sagte Staatsanwalt Semarai. "Eine Entscheidung wird auf Grundlage dieser Untersuchung getroffen." Experten erwarten, dass Rahman für unzurechnungsfähig erklärt wird und eine Anklage damit abgewendet werden kann. Eine Anklage könnte die Todesstrafe zur Folgen haben. Rahman selbst hat allerdings bestritten, unzurechnungsfähig zu sein. Der Fall hat im westlichen Ausland teils heftige Kritik erregt. Mehrere Staaten, darunter auch Deutschland, schalteten sich ein. Sie forderten Afghanistan auf, die Religionsfreiheit zu wahren und Rahman freizulassen.

Proteste gegen Freilassung

Am Sonntag hatte der zuständige Richter das Verfahren wegen Formfehlern an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben. Ein Gerichtssprecher sagte dabei, es sei auch zu klären, ob Rahman eine weitere Staatsangehörigkeit besitzt. Einzelheiten nannte er dazu nicht. Rahman droht nach dem afghanischen Rechtssystem, das sich unter anderem auf das islamische Gesetz der Scharia stützt, wegen der Abkehr vom Islam die Todesstrafe. Die Regierung von Präsident Hamid Karsai bemüht sich um einen Ausweg aus der brisanten Situation. Einerseits will sie die Forderungen ihrer westlichen Verbündeten erfüllen. Andererseits will sie nicht die einflussreichen Moslem-Geistlichen verprellen.

Am Montag kam es erstmals in Afghanistan zu Protesten in dem Fall. Angeführt von Moslem-Geistlichen demonstrierten mehrere hundert Menschen in Masar-i-Scharif im Norden des Landes gegen eine Freilassung Rahmans. Der 40-Jährige müsse nach islamischen Recht bestraft werden. "Amerika, höre auf, dich einzumischen. Karsai, stärke die Justiz", rief ein Geistlicher der Menge zu.

Reuters / Reuters