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Meinung

Coronakrise in den USA: Unmasked President: Donald Trump wird zum Opfer seiner eigenen Phantasiewelt

Weiß Donald Trump noch, was er macht? Interessiert es ihn überhaupt? Je mehr die Coronakrise die USA im Griff hat, desto deutlicher wird: Die jahrzehntealte Erfolgsmasche des US-Präsidenten wird zunehmend zur Falle.

Video: Trump ohne Maske im Weißen Haus

Der Oberste Gerichtshof der USA verhandelt in gewisser Weise gerade über das Lebenswerk von Donald J. Trump. Die Richter müssen entscheiden, ob die US-Abgeordneten die Steuererklärungen ihres Präsidenten zu sehen bekommen. Über den Inhalt wurde viel spekuliert, aber die Vehemenz, mit der sich Trump seit Jahren gegen die Veröffentlichung seiner Finanzen wehrt, lässt vermuten, dass er etwas zu verbergen hat. Zumindest aber, dass sein Image als supererfolgreicher Supermilliardär mehr Fassade ist als Fundament. Womit wir bei seinem Kampf gegen das Coronavirus wären.

"Amerika ist Testweltmeister". Tatsächlich?

Am Montag lud das Staatsoberhaupt Journalisten in den Rosengarten des Weißen Hauses ein, er wollte seine neuen Waffen im Kampf gegen Corona zeigen und natürlich ein wenig damit angeben. Ist ja schließlich Wahlkampf. Neben ihm hing ein Plakat auf dem stand sinngemäß: "Amerika ist Testweltmeister". Das stimmt zwar in Bezug auf die absoluten Zahlen, nicht aber auf die ebenfalls nicht ganz unwichtige Pro-Kopf-Quote. Doch solche Details sind Trump (wie vielen anderen Politikern auch) egal. Hauptsache die Botschaft ist draußen.

Als ihn aber eine Reporterin vom Sender CBS fragte, warum er sich auch in dieser Angelegenheit unbedingt mit anderen Ländern vergleichen müsse, wo es doch schon genug Leid in den USA gebe, bügelte er die Journalistin schroff ab. Kurz darauf verließ er realitätsgenervt abrupt die Pressekonferenz. Möglicherweise dämmert ihm langsam, dass seine lange erfolgreiche Pippi-Langstrumpf-Masche immer weniger verfängt.

Trump macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt

Jahrzehntelang machte sich der Sohn aus begütertem Haus die Welt, wie sie ihm gefällt: Für sein erstes Luxushotel erklagte er sich eine absurde Steuerbefreiung (die erst jetzt, nach 40 Jahren, ausgelaufen ist). Im Fernsehen verkaufte er sich als Überunternehmer, während er gleichzeitig um Kredite bettelte und sich weigerte, seine Zulieferfirmen zu bezahlen (und damit durchkam) und als Präsidentschaftskandidat behauptete er, sogar jemanden auf offener Straße erschießen zu können und trotzdem gewählt zu werden (letzteres geschah dann auch).

Nun mögen Unverschämtheiten und Phantastereien auf dem New Yorker Immobilienmarkt unter der Rubrik "clever" laufen und im Showbusiness vielleicht zur Geschäftsgrundlage gehören, doch in der Politik werden sie nur solange geduldet, wie der Rest stimmt. Zum Beispiel die Wirtschaft. Und das tat sie ja auch, zumindest bis Mitte März, bis das Coronavirus auch in den USA endgültig zuschlug. Mittlerweile sind die Vereinigten Staaten am schlimmsten von der Infektionskrankheit betroffen, doch der Mann an der Spitze weigert sich, auch nur eine Maske zu tragen.

Niemand käme ihm nahe genug, dass er so etwas brauche, sagte er lapidar zur Begründung. Dass die Abdeckung nicht so sehr den Träger schützt als vielmehr seine Umgebung, und dass man sie daher auch als Respektsgeste gegenüber den Mitmenschen betrachten kann – geschenkt. Solche Ideen haben in Trump-World keinen Platz. Aber er verkündet auch Einschränkungen und beklatscht diejenigen, die sie unterlaufen. Deutlicher und öffentlicher lässt sich die eigene Regierung nicht verhöhnen. Viele Amerikaner dürften sich deshalb zu Recht fragen, ob sich der Mann im Weißen Haus überhaupt noch dafür interessiert, was er da macht?

Ihm steht sein eigenes Wunschdenken im Weg

Möglicherweise tut er das, schließlich will er wiedergewählt werden. Aber immer offenkundiger wird die Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung. Deutlich wird auch, wie ihm dabei sein eigenes Wunschdenken zunehmend im Weg steht. Der US-Präsident hat ein sehr feines Gespür für die Schwingungen in seiner Wählerschaft und er merkt, wie die ihm beim Stolpern in Zeitlupe zusieht. Und nun  geraten auch die seit Jahren erstaunlich stabilen Umfragen ins Rutschen. Trump ist vielleicht gerade dabei, zum Opfer seiner eigenen Phantasiewelt zu werden. Sollte sich Donald J. Trump bis zur Wahl im November nicht gefangen haben, interessieren sich vielleicht nur noch die Finanzämter für seine Steuererklärung. Oder die Justiz.

Quellen: Reuters, DPA, AFP, "Welt", Statista, Johns-Hopkins-Universität, "Guardian"