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Analyse

Corona-Pandemie: Meister der Doppelmoral: Donald Trump hat einen Deal mit dem Teufel gemacht

Fast 80.000 Amerikaner hat das Coronavirus bereits getötet. Der US-Präsident lässt sie im Stillen sterben, erwähnt sie nicht, zeigt keine Anteilnahme. Aber mit den Todeszahlen ist es wie mit dem Virus: Sie lassen sich nicht wegmanipulieren, weglügen, wegkaufen.

Donald Trump behauptet, dass das Coronavirus einfach ohne einen Impfstoff verschwinden wird.

Es gibt Tage, an denen es der Meister der Doppelmoral schafft, sich immer noch zu überbieten.  So wie in diesen Tagen. Donald Trump fordert Amerika auf, sich wieder zu öffnen – ohne Angst vor dem Coronavirus – aber in seinem eigenen Haus, dem am besten geschützten des Landes, grassiert das Virus.

Der Präsident ist schockiert, dass einer seiner Diener positiv auf das Coronavirus getestet wurde und keine Schutzmaske trug, als er ihm das Essen servierte – Trump selber aber weigert sich, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen, aus wahltaktischen Gründen, wie die Nachrichtenagentur ap erfahren hat.

Aber damit der Doppelmoral nicht genug: Das Weiße Haus fordert die eigenen Mitarbeiter auf, wegen der Virusinfektionen im Home Office zu bleiben – aber die Arbeiter da draußen sollen zu ihren Jobs antanzen, die Busfahrer, Fleischfabrikarbeiter, Büroangestellten, selbst gegen den Rat von Gesundheitsexperten und Gouverneuren.

In der Umgebung von Donald Trump mehren sich die Fälle von Mitarbeitern, die wegen des Coronavirus in Quarantäne müssen

In der Umgebung von US-Präsident Donald Trump mehren sich die Fälle von Mitarbeitern und Beratern, die wegen des neuartigen Coronavirus in Quarantäne müssen

AFP

Der Präsident hält das ganze Testen für überbewertet, aber in seinem eigenen Umfeld wird jeder getestet. Täglich. Manche sogar mehrmals täglich. Und nun auch positiv.

Donald Trump ist eifersüchtig auf Immunologen 

Nicht nur Trumps Diener, ein Mann der US Navy, wurde positiv auf das Virus getestet, sondern auch Katie Miller, die Pressesprecherin des Vizepräsidenten Mike Pence, die stets an den Treffen der Coronavirus Task-Force teilgenommen hat. Daraufhin haben sich nicht nur ihr Mann in Selbstquarantäne begeben, der ausländerfeindliche Berater des Präsidenten, Stephen Miller, sondern auch hochrangige Mitarbeiter der Coronavirus Task-Force: der Direktor der Centers for Disease Control and Prevention, Dr. Robert Redfield, und der Kommissar der Gesundheitsbehörde FDA, Dr. Stephen Hahn.

Vor allem jedoch Dr. Anthony Fauci, die prominenteste Stimme der Sondereinheit, der ebenfalls Kontakt mit einer der Infizierten hatte. Wenn es jemanden gibt, dem die Amerikaner in dieser Krise noch vertrauen, ist es der 79-jährige Immunologe mit der heiseren Stimme und dem breiten Akzent seiner Heimat Brooklyn. Trump soll so eifersüchtig auf Faucis Popularitätswerte sein, dass er ihm in seiner kindischen Art weitere TV-Interviews gestrichen und einen Auftritt vor dem US-Repräsentantenhaus verweigert hat.

Für diese Woche steht Faucis mit Spannung erwarteter Auftritt vor dem Senat an, aber der muss wegen seiner selbst verhängten "modifizierten Quarantäne" nun erstmal per Videokonferenz stattfinden.

Das Virus und die Toten kriegt Trump nicht weg

Das Virus im Weißen Haus kommt für Trump zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Seine ganze Strategie ist auf die Öffnung des Landes ausgerichtet. Die Zahl der Infizierten (mehr als 1,3 Millionen) und Toten (fast 80.000, Stand vom 11. Mai) steigen unverändert stark, aber er spekuliert darauf, dass sich die Amerikaner an täglich 2000 Tote gewöhnen werden und eher nach der Rückkehr ins alte Leben lechzen.

Trump hat da eine Art Deal mit dem Teufel gemacht: Er lässt die Toten im Stillen sterben, erwähnt sie nicht, zeigt keine Anteilnahme, riskiert Zehntausende mehr – und hofft, dass die Wiedergeburt der brummenden Wirtschaft einfach lauter ist.

Aber mit den Todeszahlen ist es wie mit dem Virus: Sie lassen sich nicht wegmanipulieren, weglügen, wegkaufen, wie sonst alles in seinem Leben. Wenn es bisher einen Skandal gab, hat Trump einfach etwas noch Skandalöseres gesagt oder einen neuen Kampfplatz aufgetan. Wenn er beim Lügen erwischt wurde, hat er einfach die Medien der Lüge bezichtigt. Auf fast magische Art und Weise, hat das jedes Mal funktioniert. Er greift dann einfach mal die WHO an oder die NATO oder lobt die Rechtsextremisten in Michigan und wenn sich die Medien wieder darüber aufregen, ist der eigentliche Skandal schon vergessen.

Das Virus und die Toten kriegt er aber nicht weg. Nicht mit Fälschungen. Nicht mit Lügen. Nicht mit neuen Skandalen. Und seine Zustimmungswerte fallen – so sehr, dass er Wutanfälle bekommt und seine Mitarbeiter zusammenstaucht.

Trump war schon immer ein Anhänger und Verbreiter kruder Theorien, aber jetzt kommen täglich immer absurdere hinzu. Er bittet die Amerikaner, die Viruszeit einfach als "transition to greatness" zu sehen, als Übergang zu Größe, als handelte es sich um eine kleine Delle der Geschichte.

Das Virus werde auch ohne Impfstoff verschwinden, sagte er in diesen Tagen und widersprach damit all seinen Experten: "Ich stehe zu Impfstoffen wie zu Tests. Die gehen ohne einen Impfstoff weg, die sterben auch", führte der selbsternannte Gesundheitsexperte Donald J. Trump über die Coronaviren aus.

Nun ist das Virus aus China erstmal im Zentrum der Macht angelangt und die große Frage ist eher: Wen erwischt es als nächsten?