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Altes CNN-Interview Der Tag, als Donald Trump ausgerechnet von Nancy Pelosi eine Amtsenthebung forderte


Was die Amtsenthebung von US-Präsidenten angeht, war Donald Trump einst nassforscher. 2008 etwa fordert er, den damaligen Amtsinhaber George W. Bush aus dem Weißen Haus zu werfen. Und zwar genau von der Frau, die heute seine Erzfeindin ist.

Bei all den sich selbst widersprechenden Dingen, die der US-Präsident täglich von sich gibt, ist es kein Wunder, dass ihn hin und wieder sein Geschwätz von gestern einholt. Aktuell wieder so ein Fall: Angesichts des Amtsenthebungsverfahrens gegen Donald Trump macht ein altes Interview aus dem Jahr 2008 die Runde. CNN-Moderator Wolf Blitzer hat auf Twitter sein damaliges Gespräch mit Trump gepostet, in dem der sagte, es wäre "wunderbar", wenn Präsident George W. Bush des Amtes enthoben werden würde. In diesem Zusammenhang nennt er explizit den Namen Nancy Pelosi, die als Oppositionsführerin die Macht dazu hätte.

Nun findet Donald Trump sie nicht mehr beeindruckend

Die Ironie dabei: Jetzt, elf Jahre später, ist Nancy Pelosi wieder Oppositionsführerin und trägt tatsächlich ein Amtsenthebungsverfahren mit – nur eben gegen ihn, Donald Trump. 2008 sagte er zu Wolf Blitzer über sie: "Ich habe sie getroffen, ich bin sehr beeindruckt von ihr. Ich finde, sie ist eine sehr beeindruckende Person. Ich mag sie sehr." Doch vor wenigen Tagen hatte der US-Präsident ihr einen sechsseitigen Wutbrief geschrieben und der Sprecherin des Repräsentantenhauses darin vorgeworfen, dass selbst Hexenprozesse fairer abgelaufen wären. Sein harscher Ton ihr gegenüber ist mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich und auch die mächtigste Oppositionspolitikerin macht aus ihrer Abneigung gegenüber dem Staatsoberhaupt keinen Hehl.

Trump sagte über seine Impeachment-Forderung damals, dass George W. Bush bei der Begründung für den Irak-Krieg gelogen habe. "Bush hat uns mit Lügen in diesen fürchterlichen Krieg geführt – mit Lügen", so der damalige TV-Star und Immobilienmogul. Deswegen sei er überrascht gewesen, dass Nancy Pelosi "nicht mehr in Sachen Bush unternommen" habe. Diskutiert wurde eine Amtsenthebung damals zwar, vor allem in den Reihen der Demokraten tauchte die Forderung regelmäßig auf, doch wurde sie von der Parteiführung stets abgelehnt. Und zu dem Zeitpunkt als Trump mit CNN gesprochen hatte, waren es noch drei Wochen bis zur Präsidentschaftswahl, zu der der damalige Amtsinhaber ohnehin nicht mehr antreten durfte. Im Zweifel hätte ein Impeachment also länger gedauert, als Bush im Weißen Haus gewesen wäre.

Nancy Pelosi wirkt zögerlich

Auch im Fall des aktuellen Präsidenten hatte sich Pelosi lange geweigert, ihn mit einer Amtsenthebung zu Leibe zu rücken. Die 79-Jährige befürchtete, dass die Beweislage gegen Trump zu dünn sei und ein mögliches Verfahren auf die Demokraten zurückfallen könnte. Zwar hatte die "Ukraine-Affäre" ihre Meinung letztlich geändert, dennoch wirkt sie immer noch etwas zögerlich. Nach dem Repräsentantenhaus muss nun der Senat über die Amtsenthebung entscheiden. Pelosi jedoch deutet an, dass sie die Anklageerhebung vorerst nicht an den Senat weiterleiten werde, womit dort kein Verfahren beginnen kann. Grund: Sie will die Zulassung von Oppositionszeugen erreichen. Republikaner werfen ihr deshalb vor, "Angst" zu haben.

Quellen: DPA, Wolf Blitzer auf Twitter, CNN, "Die Welt"


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