HOME

US-Präsident: Der Tag, an dem Donald Trump plötzlich besonnen reagierte

Keine Twitter-Tiraden, stattdessen eine Rede gegen den Hass: Nach 32 Tagen im Amt zeigt Donald Trump eine neue Seite: besonnen und präsidial. Sollte das so weitergehen, können ihn seine Gegner endlich an politischen Taten messen.

Donald Trump

Einfach nur besonnen: Donald Trump bei seiner Rede im Museum für afroamerikanische Kultur und Geschichte

Am 21. Februar, am 32. Tag im Weißen Haus, machte Donald Trump einmal das, womit kaum noch jemand gerechnet hatte: nichts Besonderes. Weder twitterte er nach dem Aufstehen Schimpfarien wie sonst so oft. Noch gab es eine Pressekonferenz, auf der er über die "Lügenpresse" herzog oder Terroranschläge erfand. Nicht einmal seine Personalentscheidungen bereiteten ihm Sorgen. Im Gegenteil. Tags zuvor hatte er Herbert Raymond McMaster, einen General mit Doktortitel, zum nationalen Sicherheitsberater ernannt und dafür sogar vom politischen Gegner Lob erhalten. Kurzum: Nach einem Monat im Amt konnte man sich Donald Trump erstmals als glücklichen Menschen vorstellen.

Donald Trumps präsidiale Rede gegen Intoleranz 

Dabei war es nicht so, dass sich der US-Präsident in seinem Wochenendsitz Mar-a-Lago in Florida verkrochen hätte und deshalb nichts zur öffentlichen Diskussion beitragen konnte oder wollte. Im Gegenteil. Nachmittags hielt er im Museum für afroamerikanische Kultur und Geschichte in Washington eine Rede, in der er sich klar und deutlich gegen Diskriminierung und Antisemitismus aussprach. Er tat das unaufgeregt und präsidial. "Ich werde alles dafür tun, um Hass, Vorurteile und Intoleranz auszuräumen", sagte er. Es waren Worte, die für ein Staatsoberhaupt eigentlich selbstverständlich sind. Doch angesichts seiner Ausfälle gegenüber ethnischen Minderheiten oder Relativierungen von antisemitischen Vorfällen haben selbst versöhnliche Äußerungen wie diese schon Nachrichtenwert.


Der Tag war noch lange nicht vorbei, als dann doch noch etwas durchsickerte, das für Gesprächsstoff sorgte. Erstmals wurden Details über den neuen Kurs gegenüber illegalen Einwanderern bekannt. Wie im Wahlkampf angekündigt, will die neue Regierung hart gegen in den USA ohne Papiere lebende Menschen vorgehen. Das entsprechende Dekret hatte Trump bereits Ende Januar unterzeichnet, der Chef der zuständigen Behörde Homeland Security goss die präsidiale Verordnung nun in konkrete Handlungsanweisungen. Die Befugnisse der Mitarbeiter sollen künftig drastisch ausgeweitet werden, was das US-Magazin "Vox.com" zu dem Kommentar veranlasste: "Die Anordnungen sind ein klares Signal an 'Illegale', dass sie sich in diesem Land nicht mehr sicher fühlen können."

Entrüstung über neuen Einwandererkurs 

Menschenrechtsorganisationen liefen sofort Sturm gegen diese Pläne, weil sie Massendeportationen fürchten. Doch Regierungssprecher Sean Spicer wiegelte ab: Nein, diese seien nicht das Ziel der Regierung. Die neuen Regelungen werden Befürworter wie Gegner vermutlich noch lange beschäftigen. Wie nach dem umstrittenen "Muslimban"-Erlass ist bereits die Rede von Verfassungsbruch. Doch nach absurden Rechthaberein wie beim Streit um die Zuschauerzahl bei der Vereidigungsfeier oder unseriöse Andeutungen über die Lage in Schweden, drehten sich die Diskussionen endlich wieder einmal um politische Inhalte, ganz so, wie es in einer Demokratie sein sollte.

Am Ende des 32. Tages als US-Präsident griff Trump dann doch noch zur Tatstatur. Zwei Tweets setzte er ab, einer davon war eine Umfrage der konservativen US-Seite "The Hill". Danach sei die Mehrheit der Amerikaner dafür, Städte zu sanktionieren, die sich weigerten, illegale Einwanderer abzuschieben. Na gut, Entscheidungen mithilfe von Meinungsforschern zu rechtfertigen, ist das gute Recht jedes Regierungschefs. Sollte Trump so weitermachen, dann können ihn Gegner endlich an dem messen, was er politisch plant, will und umsetzt. Selbst auf diesem Gebiet dürften die nächsten Tage für sie einiges an Empörungspotenzial bieten. Laut Medienberichten wird Trump: