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Sicherheitsberater McMaster: Ein Mann, der Donald Trump noch Ärger machen könnte

Donald Trump hat einen neuen Sicherheitsberater aus dem Hut gezaubert. Und selbst Gegner des US-Präsidenten konstatieren: Herbert Raymond McMaster ist eine gute Wahl. Doch für Trump könnte der Schuss auch nach hinten losgehen.

US-Präsident Donald Trump (l.) nebst seinem Kandidaten für den vakanten Posten des Nationalen Sicherheitsberaters, H.R. McMaster

US-Präsident Donald Trump (l.) nebst seinem Kandidaten für den vakanten Posten des Nationalen Sicherheitsberaters, H.R. McMaster

Mit der Ernennung von General Herbert Raymond McMaster zum nationalen Sicherheitsberater hat US-Präsident Donald Trump früher als erwartet eine offene personelle Flanke geschlossen. Ein übereilter Schnellschuss scheint die Berufung des Nachfolgers von Michael Flynn dennoch nicht zu sein. Der hochdekorierte Irak- und Afghanistanveteran wird als fähiger, überzeugender Anführer und erfahrener Kämpfer beschrieben. Dem kahlköpfigen 54-Jährigen wird das an die Adresse seiner Soldaten im Irak gerichtete Zitat zugeschrieben: "Jedes Mal, wenn Ihr einen Iraker respektlos behandelt, arbeitet Ihr für den Feind."

McMaster ist Autor eines viel gelobten Standardwerkes über die politischen Fehler und Gründe im Zusammenhang mit der Niederlage der USA im Vietnamkrieg. In Berichten der vergangenen Jahre wurde er wegen hoher strategischer Fähigkeiten oft als möglicher Kandidat für den Posten des nationalen Sicherheitsberaters gehandelt. 2014 wurde der Absolvent der Militärakademie Westpoint und promovierte Historiker vom "Time Magazine" als eine der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten genannt.

Sogar John McCain zollt Donald Trump Annerkennung

Die Reaktionen auf Trumps Personalentscheidung sind äußerst positiv, sogar vom politischen Gegner kommt Anerkennung. So bezeichnete der demokratische Abgeordnete Steve Israel McMaster als "brillanten, vernünftigen Anführer". "Gute Wahl!" lobte Israel auf Twitter.

Und der republikanische Senator John McCain, eigentlich Trumps schärfster Kritiker in den eigenen Reihen, schwärmte von McMaster als einer "hervorragenden Wahl für den Posten des Sicherheitsberaters" und einem "Mann mit wahrem Intellekt, Charakter und Geschick". "Ich zolle Präsident Trump große Anerkennung für diese Entscheidung", schrieb McCain in einer Stellungnahme.

Der auf Sicherheitsfragen spezialisierte BBC-Korrespondent und Autor Frank Gardner twitterte: "Die Welt könnte heute Morgen ein etwas sichererer Ort sein." McMaster sei ein "hochintelligenter, nachdenklicher Mann".

Matthew Yglesias, liberaler Journalist und Mitgründer der US-Nachrichtenwebseite "Vox" schrieb auf Twitter: "Es war ein holperiger Weg, aber Flynn gegen McMaster auszutauschen, ist eine enorme Verbesserung."

Trotz all des Lobes für seine Entscheidung kann es durchaus sein, das Donald Trump sich mit seinem neuen Sicherheitsberater ein Ei ins Nest gelegt hat, aus dem ein ziemlich widerspenstiges Küken schlüpft. Denn McMaster gilt als kritischer Geist und ist bekannt dafür, Autoritäten infrage zu stellen. "Immer wieder ist zu hören, seine Karriere sei langsamer vorangegangen als möglich gewesen wäre, weil ihm seine Bereitschaft zum Widerspruch geschadet habe", berichtet ARD-Korrespondent Rolf Büllman aus Washington. Bei der Beförderung zum Brigadegeneral soll McMaster zunächst zwei Mal übergangen worden sein.

McMaster könnte Trump noch Schwiergkeiten machen

"Er hat in der Vergangenheit immer wieder Vorgesetzte und Regeln kritisiert, und man muss davon ausgehen, dass er das auch im Weißen Haus tun wird", prognostiziert die Journalistin Kimberly Dozier, Sicherheitsexpertin bei "The Daily Beast". "Trump, der ultimative politische Rebell, hat gerade einen der berühmtesten Anti-Rebellen-Kämpfer des US-Militärs als seinen höchsten Berater in Fragen der nationalen Sicherheit ausgewählt. Was nun passiert, kann man nur raten."

Auch in seinem Buch über den Vietnamkrieg zeigte der Drei-Sterne-General diesen kritischen Geist. "Neuer nationaler Sicherheitsberater HR McMaster schrieb ein Buch über Wichtigkeit des Aufbegehrens gegen schlechte zivile Führung", twitterte der Journalist und ehemalige Redenschreiber von US-Präsident George W. Bush, David Frum.

Während McMasters neuer Vorgesetzter allerdings gern alles heutige Übel in der Welt den Medien anlastet - vorneweg der "New York Times" und "Washington Post" - machte der General die Verantwortlichen für die damalige Niederlage der USA genau dort aus, wo Trump jetzt wohnt. "Der Vietnamkrieg wurde nicht auf dem Schlachtfeld verloren", schrieb McMaster in seinem Buch. "Er wurde auch nicht auf den Titelseiten der "New York Times" oder den Universitätscampussen verloren. Er wurde in Washington D.C. verloren."

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mit DPA