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Die Arsenale der Supermächte: Das nukleare Erbe des Kalten Krieges

Der neue START-Abrüstungsvertrag, den US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Dmitri Medwedew am Donnerstag in Prag unterschreiben wollen, sieht eine Reduzierung der Atomwaffenarsenale vor.

Der neue START-Abrüstungsvertrag, den US-Präsident Barack Obama und Russlands Präsident Dmitri Medwedew am Donnerstag in Prag unterschreiben wollen, sieht eine Reduzierung der Atomwaffenarsenale vor. Die Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe soll auf je 1550 begrenzt werden, die Zahl der Trägersysteme - also Raketen, U-Boote und Jets - jeweils auf 800. Den derzeitigen Stand der Arsenale gibt die unabhängige US-Expertengruppe "Bulletin of Atomic Scientists" anhand von Schätzungen wie folgt wider:

Atomare Sprengköpfe:

Die USA haben etwa 2200 einsatzbereite Atomsprengköpfe und weitere 2500 Sprengköpfe, die im Ernstfall aktiviert werden können. Darüber hinaus besitzen die USA etwa 500 taktische Kurzstrecken-Sprengköpfe, die hauptsächlich in Europa stationiert sind. Mit ihren land-, see- und luftgestützten Atomsprengköpfen können die USA praktisch jeden Winkel der Erde erreichen.

Russland hat Schätzungen zufolge etwa 4600 einsatzbereite Atomsprengköpfe. Rund 7300 weitere Sprengköpfe sind derzeit in Reserve oder warten auf ihre Verschrottung. Zusammengerechnet kommt Russland auf etwa 12.000 Atomsprengköpfe.

Interkontinentalraketen:

Die USA haben etwa 450 Interkontinentalraketen vom Typ Minuteman III, die eine Reichweite von 5500 Kilometern haben. Die Raketen können zum Teil mehrere Atomsprengköpfe transportieren und gesondert abwerfen.

Russland hat derzeit nach Analystenschätzung etwa 330 einsatzbereite Interkontinentalraketen. Die modernen Varianten der SS-27 sind die neuesten Modelle. In den vergangenen Jahren hat Russland zahlreiche alte Raketen verschrottet.

Atomar bewaffnete U-Boote:

Die US-Streitkräfte verfügen über 14 U-Boote, die mit 288 Raketen und insgesamt 1152 Atomsprengköpfen bestückt sind - das sind mehr als 40 Prozent der einsatzbereiten US-Sprengköpfe. Entwickelt wurden die Atom-U-Boote, um im Fall eines Angriffs auf Stützpunkte an Land einen atomaren Gegenangriff zu ermöglichen.

Russland hat zehn einsatzbereite atomar bewaffnete U-Boote. Sie verfügen über 160 Raketen mit schätzungsweise 576 Atomsprengköpfen. Sechs der U-Boote zählen zur russischen Nordmeerflotte, vier zur Pazifikflotte.

Atombomber:

Die USA verfügen über etwa 500 Atomwaffen, die von Langstreckenflugzeugen aus abgefeuert werden können. Analysten schätzen die Zahl dieser Flugzeuge auf etwa 60. Russland hat etwa 75 solcher Atombomber, von denen aber nicht alle einsatzbereit sein dürften

Kurzstreckenwaffen:

Zusätzlich zu den strategischen Atomwaffen haben die USA und Russland noch so genannte "nicht-strategische" Atomwaffen zum Kurzstreckeneinsatz entwickelt. Diese waren zur Zeit des Kalten Krieges vor allem entlang des Eisernen Vorhangs in Europa stationiert, sie haben eine geringere Sprengkraft und waren zum Einsatz in Gefechten gedacht. Die USA haben noch etwa 500 dieser Kurzstreckenwaffen. Russland hat Schätzungen zufolge 5390 solcher Sprengköpfe, von denen die Hälfte als einsatzfähig gilt.

Dan De Luce, AFP / AFP