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Dilma Rousseff Brasiliens Beinahe-Präsidentin


Eigentlich sollten im Hause Rousseff längst die Sektkorken knallen: Doch Lula da Silvas Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff muss sich noch einen Monat gedulden und am 31. Oktober in die Stichwahl.

Dilma Rousseff muss sich gedulden. Zwar ging sie als klare Favoriten in die erste Runde der Präsidentschaftswahl und erhielt am Sonntag auch die meisten Stimmen. Doch die Tochter eines bulgarischen Einwanderers und absolute Wunschnachfolgerin von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva verpasste die notwendige Mehrheit und muss am 31. Oktober in die Stichwahl. Der Wahlkampf ist für sie nicht zu Ende.

Dass "Dilma" (62), wie sie kurz und knapp in Brasilien heißt, kämpfen kann, weiß das ganze Land. Sie war Mitglied der Guerilla, die gegen die Militärdiktatur in Brasilien (1964-1985) aktiv war, wurde 1970 festgenommen, gefoltert und über zwei Jahre inhaftiert. Zu Studentenzeiten lehrte sie ihre Kommilitonen die Theorie des Marxismus.

Auch persönliche Lebenskrisen stand sie durch. Voriges Jahr erkrankte sie an Lymphdrüsenkrebs. Ihr wurde ein Tumor entfernt. Sie ließ Chemotherapien über sich ergehen und ging mit Perücke vor die Kameras. Die Krankheit der zweifach geschiedenen Politikerin war in Brasilien ein Medienereignis ersten Ranges.

Die Mutter einer Tochter und frischgebackene Großmutter will Brasilien ganz im Sinne Lulas weiter führen, versicherte sie immer wieder. Im Wahlkampf gab sie sich als "sorgende Mutter der Nation". Im Arbeitsalltag gilt Rousseff als äußerst effizient, verfügt allerdings bei weitem nicht über das Charisma ihres Ziehvaters Lula.

Beide kennen sich aus langen Jahren gemeinsamer Regierungsarbeit. Rousseff war Bergbau- und Energieministerin und von 2005 an bis vor einigen Monaten Lulas Kabinettschefin. Allerdings hat sie nur wenig Erfahrung als Wahlkämpferin. Deshalb unterstützte sie der erfahrene Ex-Gewerkschafter Lula massiv im zurückliegenden Wahlkampf. Auf seine Hilfe dürfte sie auch in den kommenden vier Wochen angewiesen sein.

DPA DPA

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