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Wahlen in Brasilien Wahl-Dämpfer für Lulas Lager


Brasiliens Wahlkampf geht in die Verlängerung. Die Regierungsfavoritin Dilma Rousseff verpasste entgegen Umfragetrends bei der Präsidentschaftswahl den Sieg im ersten Durchgang. Jetzt muss sie am 31. Oktober in die Stichwahl.

Brasilien entscheidet erst am 31. Oktober über die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Seine Favoritin und Ex-Kabinettschefin Dilma Rousseff erhielt zwar am Sonntag (Ortszeit) bei der Präsidentschaftswahl die meisten Stimmen, verpasste aber die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche Mehrheit von über 50 Prozent. Sie muss sich in vier Wochen dem Oppositionsführer José Serra in der Stichwahl stellen. Für Lula und Rousseff war das Ergebnis ein deutlicher Dämpfer.

Nach Auszählung von mehr als 97 Prozent der Stimmen lag die linke Regierungskandidatin bei 46,52 Prozent. Auf ihren Herausforderer, den Ex-Gouverneur von São Paulo, Serra, entfielen 32,78 Prozent. Als eigentliche Gewinnerin der Wahl galt die grüne Ex-Umweltministerin Marina Silva, die ihren Stimmenanteil im Vergleich zu vorherigen Umfragen auf 19,56 Prozent nahezu verdoppeln konnte. In den kommenden Wochen wird es entscheidend davon abhängen, ob und welchen Kandidaten sie und ihre Partei im Wahlkampf unterstützen.

Die Grünen-Politikerin betonte, Brasilien habe jetzt noch eine zweite Chance. "Die Wählerstimmen gehören weder Dilma (Rousseff), noch (José) Serra noch Marina (Silva) - die Stimme gehört dem Wähler", sagte die 52-Jährige unter Beifall ihrer Anhänger. Sie war 2008 als Ministerin aus Enttäuschung über die Umweltpolitik Lulas aus der Regierung ausgetreten. Lula durfte am Sonntag nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten und übergibt seinem Nachfolger am 1. Januar 2011 das Amt. Umfragen hatten Lulas Parteigenossin Rousseff zuletzt stets über 50 Prozent gesehen.

Korruptionsskandal belastet Wahl

Allerdings könnte ihrem Ansehen ein Korruptionsskandal um ihre Nachfolgerin im Amt der Kabinettschefin geschadet haben. Ihre frühere Vertraute Erenice Guerra hatte nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft mitten im Wahlkampf vor rund zwei Wochen ihren Rücktritt erklären müssen. Lula hatte sich massiv in den Wahlkampf eingeschaltet. José Serra steht nun am 31. Oktober zum zweiten Mal in seiner Karriere in einer Stichwahl fürs Präsidentamt. 2002 hatte er die zweite Runde verloren - damals gegen Amtsinhaber Lula.

Insgesamt waren am Sonntag mehr als 135 Millionen Wahlberechtigte in Brasilien zur Stimmabgabe aufgerufen. Sie wählten auch alle 513 Abgeordneten des Bundesparlamentes, 54 von 81 Senatoren, alle Gouverneure der 26 Bundesstaaten und des Hauptstadt-Distriktes Brasília und alle Regionalparlamente.

DPA DPA

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