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Diplomatische Kontakte: Libyen ist wieder lieb

Der libysche Außenminister Schalgam hat bei einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Straw in London angekündigt, dass die USA wieder eine diplomatische Vertretung in Tripolis einrichten. Auch Blair will sich mit Staatschef Gaddafi treffen.

Libyen hat einen weiteren Schritt bei der Annäherung an den Westen getan. Bei einem Treffen des libyschen Außenminister Abderrahman Mohammed Schalgam mit seinem britischen Amtskollegen Jack Straw in London wurde bekannt gegeben, das der ehemalige "Todfeind" USA offiziell wieder diplomatische Kontakte zum nord-
afrikanischen Staat aufgenommen hat und eine diplomatische Vertretung in der libyschen Hauptstadt Tripolis eingerichtet hat.

"Ja, die Amerikaner sind nach Libyen gekommen, um im belgischen Botschaftsgebäude zu arbeiten", sagte der libysche Außenminister Schalgam am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte, dass ein US-Diplomat in die libysche Hauptstadt zurückgekehrt sei. "Wir haben gegenwärtig einen Diplomaten in Tripolis, der die US-Waffenexperten unterstützt. Es ist das erste Mal, dass wir jemanden dort haben."

Blair will sich mit Gaddafi treffen

Libyen werde seinerseits Diplomaten in die USA schicken, kündigte Schalgam weiter an. Im Gegenzug plane der britische Premierminister Tony Blair, sich mit dem lange Zeit geächteten Revolutionsführer Muammar Gaddafi zu treffen, sagte Straw. "Wir hoffen sehr, dass ein Besuch möglichst schnell vereinbart werden kann, einen Termin gibt es aber noch nicht."

Es war der erste Staatsbesuch eines libyschen Außenministers in Großbritannien seit der Machtübernahme Gaddafis in dem Putsch von 1969. Straw bezeichnete das Treffen als "wahrhaft historisch". Er sagte, Libyen mache gute Fortschritte bei der Umsetzung seiner Ankündigung vom 19. Dezember, seine Massenvernichtungswaffen-Programme aufzugeben. Schalgam betonte, sein Land kooperiere vollständig mit den internationalen Waffen-Inspektoren. "Mit Blick auf die Programme für Massenvernichtungswaffen sind wir diejenigen, die die Initiative ergreifen", fügte er hinzu.

Lybien verzichtet auf Massenvernichtungswaffen

Möglich wurde die diplomatische Annäherung durch die Erklärung Libyens, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten. Der Westen hatte dem nordafrikanischen Land und Staatschef Gaddafi eine Verstrickung in den internationalen Terrorismus und das Streben nach Massenvernichtungswaffen vorgeworfen. Die USA hatten Libyen nach den Anschlägen vom 11. September in ihre Liste der so enannten "Schurkenstaat" aufgenommen. Vorher bereits war Libyen lange international isoliert gewesen. Ebenso hatte Gaddafi angekündigt, Entschädigungen an die Hinterbliebenen des Lockerbie-Attentats zu zahlen, das von libyschen Agenten ausgeführt worden war. Auch das Attentat auf die Berliner Disco La Belle war von Gaddafis Agenten geplant worden.

Straw kündigte eine Zusammenarbeit beider Länder bei der Bekämpfung des Terrorismus an. Libyen hatte im vergangenen Jahr eine Entschädigung in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar für die Hinterbliebenen der 270 Opfer des Lockerbie-Anschlags von 1988 gezahlt. Die UNO hob daraufhin die gegen das Land verhängten Sanktionen auf. Die Führung in Tripolis hofft, mit Hilfe Großbritanniens die USA dazu zu bewegen, ebenfalls ihre Sanktionen aufzuheben.

Berlusconi ist schon da

Als erster westlicher Regierungschef ist derweil der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Gaddafi zusammengetroffen. "Italien ist ein Freund Libyens und will es bleiben. Die Vergangenheit liegt weit zurück", sagte Berlusconi im libyschen Sirte vor Gesprächen mit Revolutionsführer Gaddafi.

Bei dem mehrstündigen Kurzbesuch in Libyen geht es nach italienischen Angaben um Ölgeschäfte sowie um das Thema illegale Einwanderer. In den vergangenen Wochen waren Dutzende afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, die von Libyen aus mit Booten nach Italien übersetzen wollten. Rom möchte, dass Tripolis energisch gegen Schlepperbanden vorgeht. Weiteres Thema sind libysche Forderungen nach Entschädigungen für die italienische Kolonialisierung in Nordafrika.

DPA