VG-Wort Pixel

Rechte Bewegung in den USA Wofür die Alt-Right-Bewegung steht und was sie fordert

Der selbsternannte Kopf der Alt-Right-Bewegung in den USA, Richard B. Spencer, auf einer Veranstaltung des NPI
Der selbsternannte Kopf der Alt-Right-Bewegung in den USA, Richard B. Spencer, auf einer Veranstaltung des Nacional Policy Institute
© Linda Davidson/Getty Images
Erstmals hat sich Donald Trump von der Alt-Right-Bewegung distanziert. Dennoch verspüren die US-Nationalisten durch seinen Wahlsieg Aufwind. Was verbirgt sich dahinter, welche Ziele verfolgt die Organisation und wofür stehen ihre Anhänger? Eine Annäherung.

Das Alternative- oder kurz Alt-Right-Movement ist eine schwer zu definierende Bewegung. Zu viele unterschiedliche Strömungen tummeln sich darin. Eine klare Definition ist genauso wenig möglich wie eine klare Eingrenzung der Anhängerzahl. Grobe Schätzungen gehen von mehreren Millionen Anhängern in den USA aus. Diese beruhen auf den Besucherzahlen einschlägiger Webseiten, die mit der Bewegung in Verbindung gebracht werden - zum Beispiel breitbart.com.

Der Ex-Chef dieses Portals und jetzt designierter Chefberater des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, Stephen Bannon, bezeichnete die Alt-Right als "kleinen Teil" des Meinungsspektrums von Breitbart News. Dort findet sich auch eine ausführliche Beschreibung dessen, was man bei Breitbart unter Alt-Right versteht. Die Anhänger seien junge Globalisierungsgegner, die für sehr nationalistische Werte einstünden und gegen das "Establishment" seien. Allerdings gebe es dort auch "rassistische und anti-semitische Untertöne", sagte Bannon dem "Wall Street Journal".

In vielen US-Medien wird die Bewegung deutlich kritischer gesehen. Sie sei ein Sammelbecken für Menschen mit rechten und sehr rechten Ansichten, die sich im klassischen US-amerikanischen Konservativismus nicht mehr wiederfänden. Verbindende Elemente seien der Glauben an die Überlegenheit der weißen Rasse und die Ablehnung von Multi-Kulturalismus, Einwanderern, Muslimen und Juden, Homosexuellen und Feministinnen. Extrem verhasst sei ihnen die "politische Korrektheit".

National Policy Institute

Das National Policy Institute (NPI) sieht sich selbst als eine Art Speerspitze der Bewegung. Rund 200-300 Anhänger trafen sich vergangenen Samstag in Washington. Ein Video der Veranstaltung zeigt, wie zahlreiche Teilnehmer auf den Ausruf "Hail Trump, hail our people, hail victory!" ("Heil Trump, Heil unseren Leuten, Heil Sieg") johlend aufstanden und den Hitlergruß zeigten.

Der Präsident des NPI, Richard B. Spencer, hatte zuvor über den drohenden Untergang der weißen Rasse fabuliert und die "Mainstream-Medien" als "Lügenpresse" bezeichnet, bewusst im "original German", wie er sagte. Er frage sich, ob das "überhaupt Menschen seien, oder seelenlose Golems, gesteuert von einer dunklen Macht". Der weiße Mann sei "zum Erobern" geboren und beute Minderheiten nicht aus. "Sie brauchen uns und nicht anders herum." Das NPI sieht sich in der Selbstbeschreibung als "unabhängige Organisation, die sich dem Erbe, der Identität und der Zukunft von Menschen mit europäischen Wurzeln in den USA und rund um den Globus verschrieben hat".

Spencer soll Medienberichten zufolge auch gesagt haben, dass er sich vom Sieg Trumps wachsenden Einfluss seiner Organisation erhoffe. Zentrale Thesen seines Instituts fanden sich im Wahlkampf des Immobilienmoguls wieder: Einwanderungsstopp, die angebliche Vernachlässigung der weißen Mehrheitsbevölkerung sowie der Kampf gegen das "Establishment" und die "politische Korrektheit". Zwar sei Trump laut Spencer kein Vertreter der Alt-Right, sein Sieg aber ein erster Schritt in Richtung "identitärer Politik". Dessen neuer Chefstratege Bannon sei kein Mitglied der Bewegung, aber der ein oder andere Redner habe schon einmal seine Hand geschüttelt.

Trump distanziert sich, Zweifel bleiben

Ursprünglich ist die Alt-Right als Trend im Internet gestartet. Insbesondere auf Webseiten wie "4Chan" oder "8Chan" konnten Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität ihre Weltanschauungen mit anderen teilen. Durch die Verwendung von sogenannten Memes, also beschrifteten Bildern, verbreiteten sich die Ansichten. Mit dem Wahlkampf von Trump bekam die Bewegung neuen Wind unter die Segel, Breitbart.com bediente die Zielgruppe und wurde zum Anziehungsort für die Alt-Right. Das Portal hat nach eigener Auskunft 37 Millionen Besucher im Monat.

Donald Trump selbst distanzierte sich am Dienstagabend (Ortszeit) in einem Interview mit der "New York Times" erstmals von rechten Bewegungen. "Ich gebe ihnen keinen Auftrieb, und ich will mit ihnen nichts zu tun haben", sagte Trump. Angesprochen auf die Alt-Right-Konferenz in Washington betonte der künftige Präsident, er verdamme das und wolle nichts damit zu tun haben. Der Präsident der Bürgerrechtsbewegung "Southern Poverty Law Center", Richard Cohen, zeigt sich allerdings skeptisch, dass Trumps Äußerung glaubhaft ist. Die Gründe, warum Alt-Right sich auf Trump berufe seien offensichtlich: "Er hat von Beginn an ihren Ton getroffen, als er seine Kandidatur bekannt gab und mexikanische Einwanderer Vergewaltiger nannte."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker