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Demonstranten vertrieben: Platz da! Polizei bahnt Donald Trump mit Tränengas den Weg zu einem Fototermin

Wenn er sich selbst in gutes Licht rücken kann, ist Donald Trump offensichtlich jedes Mittel recht. Der US-Präsident ließ nun friedliche Demonstranten mit Tränengas auseinandertreiben, um ein Pressefoto schießen zu lassen.

Trump hält die Bibel hoch

Mit dieser Aktion inmitten des Aufruhrs, in dem sich die Vereinigten Staaten befinden, hat Donald Trump auch etliche Gleichgesinnte verstört. Mit Tränengas, Gummigeschossen, Blendgranaten und berittenen Beamten treibt die Polizei am Montagnachmittag (Ortszeit) friedliche Demonstranten im Lafayette-Park hinter dem Weißen Haus auseinander. Der Grund, aus dem die Menschen für jeden sichtbar an der Ausübung ihres Demonstrationsrechts gehindert werden: Trump will demonstrativ zu Fuß zur nahe gelegenen St. John's Episcopal Church gehen, um sich dort für ein Pressefoto in Szene zu setzen.

Noch während Trump auf einer Pressekonferenz ankündigt, das Militär einsetzen zu wollen, um die landesweiten Demonstrationen und Ausschreitungen niederzuschlagen, beginnen Polizei-Einheiten die lautstarken, aber friedlichen Demonstranten auseinanderzutreiben. Wie Beobachter berichten, hatte sich Justizminister William Barr vor den Demonstranten eigens aufgebaut, um das Signal für den Einsatz zu geben. Wenig später geht Trump durch das Spalier der Polizisten, mit geballter Faust grüßt er die Beamten, seine Entourage folgt ihm, darunter Tochter Ivanka Trump und Schwiegersohn Jared Kushner.

Donald Trump hält eine Bibel hoch vor der St. John's Episcopal Church in Washington, D.C.

Um dieses Pressefoto zu realisieren, ließ US-Präsident Donald Trump Demonstranten auseinander treiben. Die Kirche war von der Aktion laut der Bischöfin nicht informiert.

AFP

Bischöfin empört über Donald Trump

An der St. John's Church, deren Keller bei den Ausschreitungen am Sonntagabend in Brand gesteckt worden war, posiert Trump vor der verbarrikadierten Kirchentür mit einer Bibel in der Hand. Die Botschaft hier: Ich habe alles unter Kontrolle. Danach ruft er sein Gefolge zu sich: Neben Justizminister Baar und Verteidigungsminister Mark Esper den Nationalen Sicherheitsberater Robert O'Brien sowie Pressesprecherin Kayleigh McEnany. Danach geht es ohne weitere Erläuterung wieder zu Fuß zurück ins Weiße Haus. Der Gang zur Kirche wurde vom Weißen Haus per Video in Szene gesetzt und getwittert.

Eine Machtdemonstration, die auch die Bischöfin der Episkopal-Diözese Washington empört. Der Präsident habe eine der Kirchen ihrer Diözese "ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft verwendet, die den Lehren Jesu und allem widersprechen, wofür unsere Kirchen stehen", echauffiert sich Bischöfin Mariann Edgar Budde im Nachrichtensender CNN. Trump habe den Einsatz von Tränengas gebilligt, um den Weg zur Kirche zu räumen, und er ignoriere den Schmerz der Menschen im Land. Er habe nicht einmal gebetet an der Kirche. "Ich kann nicht glauben, was meine Augen gesehen haben", so die Bischöfin.

Donald Trump

Demokraten empört: "Das ist wahrlich schändlich"

Empörung auch beim designierten Herausforderer Trumps bei den Präsidentschaftswahlen im November. "Er benutzt das amerikanische Militär gegen das amerikanische Volk", twitterte der Demokrat Joe Biden. "Für einen Fototermin" habe der Präsident Tränengas und Gummigeschosse auf Demonstranten feuern lassen. "Das amerikanische Militär für einen Fototermin herbeizurufen, das ist wahrlich schändlich", sagte auch der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo. 

Quellen: CNN, ZDF, "Washington Post", "New York Times"

dho