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TV-Duell Von wegen Trump oder Biden: The winner is ... Kristen Welker

Kirsten Welker dirigiert das TV-Duell zwischen donald Trump und Joe Biden
Gilt als die eigentliche Gewinnerin des Trump-Biden-Duells: Moderatorin Kristen Welker leitete die Debatte souverän und erntete viel Lob.
© Morry Gash / AFP
Nach dem ersten Chaos-Duell waren die Befürchtungen groß: Würde die TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden erneut aus dem Ruder laufen? Dass es nicht so kam, war nicht zuletzt einer Frau zu verdanken: Moderatorin Kristen Welker.

Als Kristen Welker am Ende des mehr als anderthalbstündigen Schlagabtauschs zwischen Donald Trump und Joe Biden in Nashville die Zuschauer verabschiedete, war ihr die Erleichterung anzumerken. Mit einem Lächeln dankte sie den Kontrahenten für eine "großartige Debatte". Dieses Duell war nicht aus dem Ruder gelaufen wie das erste vor zwei Wochen. Das Schicksal ihres viel kritisierten Fox-News-Kollegen Chris Wallace blieb ihr erspart.

Der meldete sich dann auch schnell zu Wort und lobte die 44-Jährige, die für den TV-Sender NBC als Korrespondentin im Weißen Haus arbeitet und so mit den politischen Themen bestens vertraut ist. "Ich bin neidisch", gestand Wallace der "New York Times" unumwunden.

Kristen Welker: "Sie haben zehn Sekunden"

Welker hat geschafft, was Wallace so gar nicht gelungen war: die Streithähne zu zähmen. Nach Ende der Fernsehdebatte prasselte jede Menge Lob in den sozialen Netzwerken auf die Moderatorin ein. Mit klaren, bestimmten, aber ruhig vorgetragenen Ansagen verschaffte sich Welker von Anfang an Respekt. "Bitte sprechen Sie einer nach dem anderen", ermahnte sie beispielsweise. Im Verlauf des Duells dennoch zunehmende Unterbrechungen hielt sie häufig im Zaum, indem sie beispielsweise souverän kurze Antworten gewährte: "Wollen Sie darauf antworten? Sie haben zehn Sekunden. Wir haben noch viele Themen." Die Herren folgten.

Die erste Fernsehdebatte war dagegen davon geprägt gewesen, dass sich die beiden Kandidaten ständig ins Wort fielen; vor allem Trump hatte damals wiederholt den Kandidaten der Demokratischen Partei unterbrochen. Irgendwann tauschten die Kontrahenten fast nur noch Vorwürfe und Beschimpfungen aus. Moderator Chris Wallace war sogar eher Teil des Chaos' geworden statt es zu ordnen.

Trump: "Radikale linke Demokratin"

Vor der zweiten Debatte hatte Trump Welker noch als "total parteiisch" kritisiert. Sie sei eine "radikale linke Demokratin", "furchtbar und unfair wie die meisten Fake News Reporter" und "noch schlimmer" als die Moderatorin der CBS-Sendung "60 Minutes", Lesley Stahl. Ein Interview mit Stahl soll Trump erst kürzlich abgebrochen haben, die Sache machte Schlagzeilen. Während des Abends in Nashville hatte Trump jedoch keine Schwierigkeiten, sich den Anweisungen Welkers zu beugen. Allerdings gewährte die Moderatorin im Verlauf der Debatte auch beiden Männern Einwände und kurze Ergänzungen.

Kristen Welker ist eine in den USA und Washington renommierte, preisgekrönte Journalistin. Die aus Philadelphia stammende Harvard-Absolventin ist die erste Woman of Colour seit 1992, die eine Präsidentschaftsdebatte geleitet hat. Damals moderierte Carole Simpson eine Diskussion vor Bürgern. Welker ist seit 2011 Korrespondentin in Washington und zudem seit Januar Moderatorin der NBC-Sendung "Weekend today". Seinerzeit hatte Trump Welker noch zum neuen Job gratuliert und festgestellt, der Sender "habe eine sehr weise Entscheidung getroffen."

dho / mit Material von DPA

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