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Wahlkampf in den USA Trump kürzt Wahlkampfgehälter - und füllt zugleich mit Kampagnengeld die eigenen Kassen

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Das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Monaten so viel Geld ausgegeben, dass es unter mächtigem Kostendruck steht. Dafür werden die Kassen des Präsidenten voller.

Das Wahlkampfteam von Donald Trump braucht dringend Geld. In Mails ruft es die Anhänger des US-Präsidenten mehrfach täglich zum Spenden auf und lockt mit der Behauptung, Trump werde höchstpersönlich von den Zuwendungen erfahren: "Wir schicken eine Liste der ersten 100 Patrioten, die vortreten, direkt in das Büro des Präsidenten. Wenn Sie in der nächsten Stunde handeln, sorgen wir dafür, dass Ihr Name ganz oben auf der Liste steht", heißt es dort etwa. Oder, als hätte Trump die Mail selbst geschrieben: "Mein Team übergibt mir demnächst eine aktualisierte Spenderliste. Ich werde nach Ihrem Namen suchen."

Trump-Kampagne kostete bereits 800 Millionen Dollar

Der Kampf um das Präsidentenamt in den Vereinigten Staaten verschlingt mittlerweile mehrere Milliarden Dollar. Die Bewerber müssen vor allem für TV- und Online-Werbung sehr viel Geld bezahlen, doch das ist bei den Republikanern knapp geworden, wie US-Medien berichten. Trotz eines massiven Spendenaufkommens habe die Grand Old Party wenige Wochen vor der Wahl am 3. November bereits einen Großteil ihrer Mittel verbraucht und stehe unter großem Kostendruck, meldete kürzlich unter anderem die "New York Times".

Tatsächlich hat Trumps Kampagne für eine zweite Amtszeit seit Anfang 2019 bereits rund 800 Millionen Dollar (678 Millionen Euro) gekostet. Zu den Meldungen über finanzielle Probleme erklärte der Präsident auf Twitter, jegliche finanzielle Nöte seien die Schuld der Medien, da er gezwungen gewesen sei, "Geld auszugeben, um Fake News entgegenzuwirken". Der 74-Jährige kündigte an, für seine Wiederwahl notfalls auch Geld aus seinem Privatvermögen einzusetzen.

Zunächst aber sorgt Trump offenbar erst einmal dafür, dass sein Vermögen wächst - und spart stattdessen bei seinen Wahlkämpfern. Der Präsident habe sowohl seinem derzeitigen Wahlkampfmanager Bill Stepien als auch dessen Vorgänger Bradley Parscale in den letzten zwei Monaten Gehaltskürzungen auferlegt und zugleich Wahlkampfgelder in Höhe von einer Viertelmillion Dollar in seine eigenen Kassen fließen lassen, berichtet die "Huffington Post".

Demnach zeigen neue Einreichungen der Republikaner bei der Bundeswahlkommission (FEC), dass Trumps Kampagne und das republikanische Nationalkomitee (RNC) im August 203.000 Dollar im Hotel des Präsidenten ein paar Blocks vom Weißen Haus entfernt ausgegeben haben. Weitere 37.542 Dollar zahlten sie nach Angaben der Onlinezeitung für die Anmietung von Räumlichkeiten im Trump Tower in Manhattan, obwohl das Wahlkampfteam eigentlich in einem Hochhaus in Arlington im Bundesstaat Virginia residiert. Die gemeldeten Gesamtzahlungen des Wahlkampfteams und des RNC an die eigenen Unternehmen des Präsidenten beliefen sich den Angaben zufolge im August auf 251.409 Dollar.

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 haben die politischen Komitees unter Trumps Kontrolle laut einer "Huffington Post"-Analyse der FEC-Aufzeichnungen insgesamt 7.231.392 Dollar an verschiedene Unternehmen des früheren Immobilienmaklers überwiesen.

Auch Trumps Familie verdient am Wahlkampf

Trumps Wahlkampfmanager Stepien, der Mitte Juli vom Stellvertreter- auf den Spitzenposten befördert worden war, muss derweil mit weniger Geld auskommen. Der Präsident habe die Zahlungen an Stepiens Firma von 15.000 auf 10.000 Dollar monatlich gekürzt, beginnend mit der Juli-Zahlung, berichtet die "Huffington Post".

Die Beratungsfirma des abgesetzten Chefs Parscale, der sich für Trump weiter um Digitales und soziale Netzwerke kümmert, hatte laut dem Bericht im vergangenen Jahr noch 47.797 Dollar monatlich vom Wahlkampfteam erhalten, und bekam im August nur noch 32.797 Dollar. Aus den FEC-Dokumenten gehe nicht klar hervor, ob es sich dabei um eine Kürzung der Bezüge nur für ihn selbst handele oder ob die 15.000 Dollar die Summe der Kürzungen bei einer Reihe von Einzelpersonen darstellten, schreibt die "Huffington Post". So erhielten nach Aussage von Parscale die Freundin des ältesten Trump-Sohnes Donald Jr., Kimberly Guilfoyle, und die Frau des mittleren Sohnes Eric, Lara Trump, für ihre Tätigkeiten im "Team Trump" jeweils Zahlungen von monatlich 15.000 Dollar, die über Parscales Privatfirma und nicht über die Kampagne abgewickelt würden.

Auf Nachfragen beim Wahlkampfteam der Republikaner zur individuellen Entschädigung von Parscale und zu den Zahlungen an Kimberly Guilfoyle und Lara Trump erhielt die Nachrichtenseite nach eigenen Angaben keine Antwort. Eine dem Team nahestehende Quelle habe aber unter der Bedingung der Anonymität mitgeteilt, dass Parscales persönliches Gehalt nicht geschrumpft sei, als er vom Kampagnenmanager zum Leiter Digitales degradiert wurde.

Quellen: "Huffington Post", "New York Times"

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