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TV-Debatte der US-Republikaner: Alle gegen Trump

Bei der zweiten großen TV-Debatte im Vorwahlkampf der US-Republikaner ist Donald Trump unter Druck geraten. Viel Beifall gab es für die Ex-Managerin Carly Fiorina, die einzige Frau in der Runde.

Donald Trump muss sich in TV-Debatte gegen republikanische Mitbewerber wehren

Donald Trump (3. v. r.) sah sich in der Vorwahlkampf-Debatte der Republikaner zahlreichen, teils erfolgreichen, Attacken seiner Konkurrenten ausgesetzt

Knappe Punktsiegerin: Carly Fiorina. In der durchchoreografierten zweiten TV-Debatte der Republikaner, die von CNN übertragen wurde, macht die ehemalige CEO von Hewlett-Packard eine gute Figur und sammelt immer wieder reichlich Applaus. Einigen der graublauen Zehn um sie herum geht das sichtbar auf die Nerven. Fiorinas gusseisern mildes Lächeln ist schwer zu packen, die Multimillionärin mit großem Hang zum schönen Leben (und durchwachsener Erfolgsbilanz) positioniert sich geschickt als die einzige andere Frau im Rennen gegen Hillary Clinton.

Showtime. Zehn der 16 Kandidaten, die derzeit die Umfragen bei den Republikanern anführen, steigen in ihren etwas weiten Anzügen hinter ihren Podien von einem Fuß auf den anderen. Fiorina geht im blauen Kostüm in Positur. Vier andere dürfen zwei Stunden vorher ran, davon bleibt nicht viel hängen.

Sehr viel wird mit schräg gelegtem Kopf des 2004 verstorbenen Ronald Reagan gedacht. Er ist bei den Republikanern - und nicht nur dort - einer der ganz besonders verehrten Präsidenten. Im Air Force One Pavillon der Ronald Reagan Library wird nun gerungen, Nancy Reagan lauscht höchstselbst. Hinter den elf: Reagans blitzeblanke Air Force One, die SAM 27000. Präsidialer inszenieren kann man kaum.

Floskeln hui, Inhalt pfui

Wenn dies aber "das A-Team" ist (sagt der knorrige Mike Huckabee, Ex-Gouverneur von Arkansas), dann ist es um die Partei Ronald Reagans eher schlecht bestellt. Denn was wäre nun, wenn einer der Herren oder Carly Fiorina Präsident wäre? Konkret, inhaltlich, programmatisch? Außenpolitisch, sicherheitstechnisch, in Sachen Gesundheitssystem, dem Klimawandel oder der Spaltung der Gesellschaft? Man weiß es auch hinterher nicht, und das ist für bald drei Stunden Debatte nicht sehr viel. 

Syrien, Iran, Gesundheit, Drogen, Einwanderung und Steuern: Alles besprochen, aber alles mit den üblichen Stanzen, Positionen und Abziehformeln bedampft. Gewinnt man so das Herz von Wählern?  

Donald Trump, der Multimilliardär, bezieht praktisch sämtliche Ratio aus seinen Geschäften. "Meine weltweiten Geschäfte und Erfolge" sollen die stete inhaltliche Klammer für spitzenmäßige Verhandlungsfähigkeit sein, für besonderen Führungsstil und herkulische Kraft. Inhaltlich kommt von Trump weiter nicht viel, aber das hat ihm im bisherigen Rennen auch nicht geschadet. 

Wähler und Spender überzeugen

Beispiel. Trump: "Ich werde schon fertig mit Putin, denke ich." Warum, wie, weswegen? Egal. Weiter austeilen, nächster Punkt. Trump bekommt sich mit Bush in die Wolle, lugt missgünstig unter seinem heute besonders playmobilhaft hingeföhnten Haarhelm hervor. Eher weniger Applaus als sonst. Trump verblasst irgendwie im Lauf des Abends. Als verlöre er die Lust.

Für einige der Elf geht es heute, wie CNN schon den ganzen Tag proklamiert hatte, "bereits ums Überleben". Sie müssen ihre Spender überzeugen, ihren Weg weiter mit erheblichen Mengen Dollar zu belegen. Marco Rubio, Senator für Florida im Weißen Haus, dürfte das gelungen sein. Scott Walker, Gouverneur von Wisconsin, eher nicht. 

Der mit einem pastoralen Gestus gesegnete Neurochirurg Ben Carson lag ganz gut im Rennen bisher, bringt er doch vor allem ältere Republikanerinnen in Wallung. Das allerdings reicht in einer Partei nicht, die gravierende Probleme in den so wichtigen Wählergruppen von Einwanderern und Farbigen hat. An diesem Abend öffnet der Afroamerikaner oft weit und sanft rudernd die Arme, bringt aber sonst nicht viel zustande. Auch er ist einer der Verlierer. 

Obama stellt sich gegen "negative campaigning"

Jeb Bush ist besonders oft im Bild, weil er neben "The Donald" stehen muss, der nach wie vor alle Aufmerksamkeit aufsaugt. Bush changiert zwischen dem Bemühen um recht unverdrossene Fröhlichkeit, Anflügen der Belustigung über den Mann neben ihm und etwas angestrengtem Staatsmann. Erwirkt, als verstehe er partout nicht, warum er sich bloß in diese Niederungen begeben muss, wo er doch aus einer veritablen Dynastie echter Präsidenten entstammt. Später lockert er sich und kann deutlich zulegen.

In diesem Sommer der erfolgreichen Nicht-Politiker (Trump, Carson, Fiorina) ist in den USA sehr viel Anti unterwegs. Sehr viel Kopfschütteln und noch mehr Schimpfen auf "die" in Washington. Barack Obama wird mit Bedacht den Tag der Republikaner-Debatte als denjenigen gewählt haben, an dem er zum ersten Mal Stellung zu Trumps Getrommel bezieht: "Genau jetzt, da ist Amerika schon groß", sagt er. "Amerika gewinnt genau jetzt. Nichts ist patriotisch daran, das Land runterzureden." 

"Make America Great Again" lautet Trumps Schlachtruf. In der Tat ist dieses "negative campaigning", das seine Energie aus Schlechtmachen und Negativität zu ziehen sucht, nicht ungefährlich.  Irgendwann wird er liefern und sagen müssen: wie? Das gilt auch für alle anderen Kandidaten, auch im brausenden Themengewitter des Social-Media-Zeitalters. Bis zur Wahl sind es noch 14 Monate. 

Martin Bialecki, DPA