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Nach TV-Debatte Donald Trump wird zu jedermanns Albtraum


Er hatte die meiste Sprechzeit, doch als Sieger ging Donald Trump nicht aus der zweistündigen Fernsehdiskussion hervor. Überraschend positiv fiel das Urteil nur bei den Demokraten aus - den falschen Wählern.

Wer ist der schlimmste Albtraum von Hillary Clinton? Na klar! Er: Donald Trump, dem Rest der Welt bekannt durch die wohl mysteriöseste Herrenfrisur der Neuzeit sowie durch goldverglaste Betonklötze verteilt auf dem ganzen Globus. Seitdem der Milliardär in das Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner eingestiegen ist, mischt er die Partei mächtig auf: Mit populistischen Ausfällen gegen Einwanderer hat er sich aus dem Nichts in den Umfragen nach ganz vorne gepöbelt - entsprechend groß war die Spannung vor der ersten TV-Debatte der konservativen Partei. Sie wurde für Trump zum Erfolg und Reinfall zugleich. 

Zehn mögliche Kandidaten duellierten sich im erzkonservativen Sender Fox vor Millionen von Zuschauern, und erwartungsgemäß war es Trump, der die Show an sich riss. Laut der "New York Times" redete er mit mehr als elf Minuten fast drei Minuten länger als Jeb Bush, Bruder des 43. Präsidenten der USA, George W. und Sohn des 41. Präsidenten, George Bush sen. Er schwadronierte in dieser Zeit von Mauern, die an der Grenze zu Mexiko aufgestellt gehörten, darüber, dass er nur ungern als unabhängiger Bewerber in den Wahlkampf gehen würde und eben über Hillary Clinton, die für die demokratische Partei kandidiert und die er, der damalige politische Großspender, zu seiner Hochzeit eingeladen hatte: "Sie kam. Sie hatte keine andere Wahl."

Eigentlich wird den beiden ein gutes Verhältnis nachgesagt, doch seit sie in direkter Konkurrenz zueinander stehen, kühlt es merklich ab, und so schob er nach dem TV-Massenduell noch den Satz hinterher, er sei ihr schlimmster Albtraum - und natürlich würde er sie bei der Präsidentschaftswahl schlagen, was denn auch sonst? Trumps Lautsprecherei mag ihm die für die Aufmerksamkeit wichtige "Airtime" bringen, seinem Ansehen aber ist sie nicht zwingend zuträglich: "Schreihals" ("Spiegel Online"), "Entzauberter" ("Welt"), "Mistkerl" (der australische Sender SBS) hieß es nach seinem TV-Auftritt niederschmetternd. Das US-Magazin "Politico" erklärte ihm sogar zum größten Verlierer des Abends. "Seine erste Präsidentschaftsdebatte war eine Katastrophe" und zitiert einen republikanischen Abgeordneten als Kronzeugen: "Trump ist ein egomanischer Rowdy. Das wissen nun selbst die, die nie seine Show "The Apprentice" gesehen haben." Die Sendung war eine Art Lehrlingscasting, in der es vor allem darum ging, die Teilnehmer möglichst rabiat zu feuern.

44 Prozent aller von "Politico" befragten konservativen Politiker waren entsetzt über den Auftritt von "The Donald", wie er auch gerne genannt wird. Durchgesetzt hätten sich ihrer Ansicht nach vor allem Jeb Bush und Marco Rubio. Mit dieser Einschätzung stehen sie im Gegensatz zu den ebenfalls befragten Anhängern der Demokraten: Sie sahen mehrheitlich Donald Trump als größten Sieger des Abends. Offenbar konnte er mit seinem markigen Gehabe durchaus überzeugen -  nur leider die falschen Menschen. Aber vermutlich verlässt er sich ohnehin nicht auf die Sympathien der Republikaner. Gleich zu Beginn der Sendung hatte er freimütig bekannt, dass er sich nicht um das Votum der Partei scheren würde. Sprich: Wenn sie nicht auf ihn zukommen, dann feuert er sie eben - und nimmt ihnen als unabhängiger Kandidat am 8. November 2016 noch schön ein paar Stimmen ab. Offenbar ist Donald Trump mittlerweile zu jedermanns Albtraum geworden.


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