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Neues Mary-Trump-Buch Trumps berühmter Balkonauftritt: "Er hatte Schmerzen, er war besorgt"

Donald Trump auf dem Weißen-Haus-Balkon
Weg mit dem Ding: Theatralisch reißt sich Donald Trump nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Maske vom Gesicht
© Ken Cedeno / Picture Alliance
Donald Trumps Auftritt nach der Krankenhaus-Entlassung sollte zeigen, dass er sich nicht vom Coronavirus unterkriegen lässt. Das war im Oktober 2020. Doch vermutlich wird ihm dabei elendig zumute gewesen sein, schreibt seine Nichte Mary in ihrem neuen Buch.

"In bester Mussolini-Art zog er sich die Maske vom Gesicht mit einer machohaften Attitüde der Unverwundbarkeit. Er biss die Zähne aufeinander und schob seinen Kiefer vor, so wie es meine Großmutter immer machte, wenn sie ihren Ärger herunterschluckte oder ihre Schmerzen unterdrückte – bei Donald erkannte ich letzteres." Mit diesen Worten beschreibt Mary Trump die Szene, als sich ihr berühmter Onkel, frisch aus dem Krankenhaus entlassen, vor dem Weißen Haus der Öffentlichkeit präsentierte. Der damalige US-Präsident litt offenbar immer noch unter der Covid-19-Erkrankung. Was man ihm, wer ihn kannte, auch ansah. "Er hatte Schmerzen", schreibt die Nichte in ihrem neuen Buch "The Reckoning".

Die Trumps:  "bösartig und dysfunktional"

Mary Trump, Psychologin und Tochter von Donald Trumps verstorbenen älteren Bruder Fred Jr., ist einer der wenigen Familienmitglieder, die den berühmtesten Trump öffentlich kritisieren. In ihrem ersten Buch hatte sie ihren Clan als "bösartig und dysfunktional" beschrieben. Schon in "Von allem zu viel und niemals genug" war Krankheit ein Thema. "Meine Familie betrachtet sie als unentschuldbare Schwäche", so Mary Trump. Ausnahmen gab es keine, auch nicht für ihre Oma, Donalds Mutter, die unter Osteoporose litt. Pflege und Physiotherapie hatte ihr Mann Fred stets abgelehnt: "Immer wenn sie Schmerzen hatte, sagte er nur: 'Alles ist großartig. Alles ist großartig' und verließ den Raum."

Donald Trump hatte als US-Präsident die Gefahren der Corona-Pandemie immer heruntergespielt. Im Oktober 2020 erkrankte er dann selbst an Covid-19 und musste im Walter-Reed-Militärkrankenhaus behandelt werden. Nach nur wenigen Tagen verließ er das Hospital wieder. Direkt nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus ging er auf den Balkon, riss sich theatralisch die Maske herunter und streckte seine Daumen in die Höhe. Offenbar wollte er mit seinem Auftritt die Botschaft aussenden, dass das Virus höchstens lästig sei.

Balkonshow war Ablenkungsmanöver

Medien berichteten ein halbes Jahr später, dass die Infektion alles andere als harmlos gewesen sei. So habe Trump "extrem niedrige Blutsauerstoffwerte" gehabt, zudem Probleme mit den Bronchien, die mit einer durch Covid-19 verursachten Lungenentzündung in Verbindung stehen. Anscheinend war der damalige US-Präsident kurz davor, künstlich beatmet werden zu müssen, heißt es. In den Verlautbarungen des Weißen Hauses war von deutlich milderen Symptomen die Rede gewesen.

Den Auftritt auf dem Balkon des Weißen Hauses "nutzte er für seine üblichen Prahlereien", schreibt das US-Magazin "The Hill". Aus Sicht seiner Nichte diente die Rückkehrshow dazu, "von seinem gesundheitlichen und geistigen Zustand abzulenken". "Ich selbst habe Asthma und weiß, wie jemand aussieht, der um Luft ringt. Er hatte Schmerzen, er war besorgt, aber das hätte er niemals zugegeben – nicht einmal sich selbst gegenüber. Denn das Eingeständnis von Schwäche macht ihm mehr Angst als die Wahrheit", so Mary Trump in ihrem Buch.

Quellen: "The Hill", "The Independent", "The Guardian"

nik

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