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Brett Kavanaugh: Missbrauchsvorwürfe gegen Richterkandidat - die kommenden Tage könnten hässlich werden

Brett Kavanaugh, Trumps Kandidat für das Oberste Gericht ist wegen seines stramm konservativen Kurses vielen Amerikanern ein Dorn im Auge. Und nun treten Missbrauchsvorwürfe zu Tage - Zufall oder Absicht?

Brett Kavanaugh (l.) und Donald Trump

Brett Kavanaugh (l.) und Donald Trump

DPA

Seinen Gegnern droht die Zeit auszugehen. Am Donnerstag will der Rechtsausschuss des US-Senats eigentlich Brett Kavanaugh als Richter-Kandidaten für das oberste Gericht nominieren. Damit wäre der Weg für den stramm  konservativen Wunschkandidaten des US-Präsidenten so gut wie frei. Für die Demokraten und liberal gesinnte Amerikaner ist die Aussicht, dass Kavanaugh den konservativen Flügel im US-Surpreme Court stärken wird, allerdings ein Grauen. Da das Gericht in vielen Schlüsselfragen – Waffenrecht, Gesundheitssystem, Todesstrafe - das letzte Wort hat, fürchten nicht wenige Amerikaner, dass sogar das Recht auf Abtreibung wieder zur Disposition stehen könnte.

Kavanaugh streitet Vorwurf kategorisch ab

Und nun dies: Missbrauchsvorwürfe gegenüber Kavanaugh. Die Psychologieprofessorin Christina Blasey Ford sagte aus, der jetzige Jurist habe sich als Highschool-Schüler auf einer Party Anfang der 80er-Jahre "sturzbetrunken" auf sie geworfen und sie entkleiden wollen. Als sie um Hilfe rufen wollte, habe er ihr derart den Mund zugehalten, dass sie Angst hatte, zu ersticken. Ein Mitschüler der beiden habe Schlimmeres verhindert, so Ford. Der beschuldigte 53-Jährige sagte: "Ich weise diesen Vorwurf kategorisch und unmissverständlich zurück. Ich habe dies weder damals in der Schule noch sonst irgendwann getan."

Brett Kavanaugh (l.) und Donald Trump

Brett Kavanaugh (l.) und Donald Trump

DPA

Sollten die Vorwürfe stimmen, dann dürfte Kavanaugh erledigt sein. Anders als noch 1991, als eine Mitarbeiterin dem damaligen Richter-Kandidaten Clarence Thomas sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatte und er dennoch ins Amt gewählt wurde, werden solche Beschuldigungen heutzutage nicht mehr als Kavaliersdelikt abgetan. Was auch dann Folgen hat, wenn sich die Vorwürfe als falsch herausstellen sollten – denn irgendwas bleibt meistens hängen. Für viele Republikaner hört sich das nach einer gezielten Kampagne an. Umfragen zufolge, glauben Konservative eher daran, dass weiße Männer diskriminiert werden als dass Frauen diskriminiert werden.

Ford hatte im Juli ausgepackt

Eine Frage drängt sich auf: Warum jetzt? Warum kommt das mutmaßliche Opfer nur wenige Tage vor der wahrscheinlichen Nominierung mit der Geschichte um die Ecke? Kavanaugh ist seit Juli als aussichtsreicher Kandidat im Rennen, nachdem ihn Donald Trump für das Amt vorgeschlagen hatte. Die übliche Senatsanhörung begann am 4. September, es ging turbulent zu. Der erzkonservative Jurist stand also schon länger in Fokus der Öffentlichkeit. Ford hatte sich allerdings schon Ende Juli an die demokratische Senatorin Dianne Feinstein gewandt, und ihr in einem Brief von den mutmaßlichen Vorfällen berichtet. Da es nun publik wird, wirkt es fast, als würden die ärgsten Kritiker ihr letztes "As" aus dem Ärmel ziehen, um seine Berufung in der allerletzten Sekunde zu verhindern.

Diese Spekulation wäre allerdings eine Verhöhnung des Opfers, wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten. Denn wie wahrscheinlich ist es, dass sich eine gänzlich unbescholtene, 51 Jahre alte Professorin an einer renommierten Uni in Kalifornien in die Öffentlichkeit stellt um absichtlich einen Mann der versuchten Vergewaltigung zu bezichtigen? Sie selbst sagte der "Washington Post", dass sie zunächst "aus Furcht vor Vergeltung" anonym habe bleiben wollen, sich aber dann aus "staatsbürgerlicher Verantwortung" entschlossen habe, ihre Anschuldigung öffentlich zu machen.

Es gibt einen Zeugen des Vorfalls

Das größte Dilemma, wie so oft in solchen Fällen, bleiben die Beweise. Oft steht Aussage gegen Aussage, niemand möchte dem Opfer Lügen unterstellen, gleichzeitig gilt der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten". Doch diesmal gibt es einen Zeugen – der bislang nur leider nicht viel helfen konnte. Einer ihrer Mitschüler hatte sich nach ihrer Aussage auf Kavanaugh geworfen, als der auf Ford gelegen und ihr den Mund zugehalten habe. Nachdem die Professorin von dem Vorfall berichtet hatte, wurde der Mann befragt. Er sagte, der Vorwurf sei Unsinn. Erneut von der "Washington Post" befragt, wollte der Zeuge plötzlich nichts mehr sagen.

Wie es nun weitergeht, ist unklar, auch wenn sich abzeichnet, dass die vielen Mitglieder der Senatskommission – republikanische wie demokratische - Christina Blasey Ford anhören werden. Der konservative Senator Lindsey Graham etwa schrieb in einer Mitteilung, dass er Fords Anschuldigungen zwar skeptisch gegenüber stehe, sich aber gerne ihre Version anhören wolle. Ähnlich äußern sich Kellyanne Conway, enge Beraterin von Donald Trump, und der Trump-kritische, scheidende Senator Jeff Flake. "Diese Frau sollte weder beleidigt noch ignoriert werden, sagte Conway.

Debra Katz, Anwältin von Christina Blasey Ford, sagte dem US-Sender ABC News, dass ihre Mandantin willens sei, vor den Senatoren ihre Vorwürfe zu wiederholen. Die Mehrheitsverhältnisse im Senat, der den Richter bestätigen muss, sind so knapp, dass sich Trumps Kandidat keinen abtrünnigen Republikaner leisten kann, wenn er gewählt werden will. Es könnte also noch hässlich werden die nächsten Tage. Was Christina Blasey Ford nicht wolle, so Anwältin Katz, sei "Teil des Washingtoner Blutvergießens" zu werden.