Entführte Deutsche Ungewollt zum Versteck geführt


Vier Entführer von Christina M. sind von der afghanischen Polizei festgenommen worden. Die Kidnapper haben die Sicherheitsbehörden offenbar selbst zum Versteck der Geisel geführt. Dem schwangeren Opfer geht es gut.

Erleichterung in Deutschland nach dem schnellen Ende der Entführung von Christina M. in Afghanistan: Nach knapp 36-stündiger Geiselhaft befreiten Sicherheitskräfte die 31-jährige Deutsche in der Nacht zum Montag aus einem Haus in Kabul. Vier Kidnapper wurden nach Angaben des afghanischen Innenministeriums festgenommen.

Die Betriebswirtin wird nach Angaben der christlichen Hilfsorganisation Ora international, für die sie in Afghanistan war, in Kürze nach Deutschland zurückkehren. Christina M., die im fünften Monat schwanger ist, geht es den Angaben zufolge gut. Mit Freude und Erleichterung reagierten vor allem die Menschen im Heimatort der Frau auf die Nachricht von ihrer Befreiung. "Wir sind alle sehr froh und glücklich, dass das so glimpflich ausgegangen ist und dass sie bald nach Hause kommen kann", sagte der Bürgermeister von Alpirsbach im Schwarzwald, Roland Wentsch, der Nachrichtenagentur DPA.

Die Leiterin des Ora-Büros war am Samstag von Bewaffneten aus einem Imbiss in Kabul verschleppt worden. Am Sonntag stürmten Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter gegen Mitternacht das Haus, in dem die Frau gefangengehalten wurde.

Auch der Drahtzieher festgenommen

Unter den vier Festgenommen ist nach Angaben des Innenministeriums in Kabul auch der Drahtzieher der Entführung. Die kriminelle Bande habe zwar nach außen hin die Freilassung von Häftlingen gefordert, tatsächlich sei es ihr aber um Lösegeld in Höhe von etwa einer Million Dollar gegangen. Nach DPA-Informationen soll der Überbringer eines Videobandes mit Bildern der deutschen Geisel die Fahnder ungewollt zum Versteck der Kidnapper geführt haben.

In Kabul wurde das Ora-Büro kurzfristig geschlossen, das komplette Team in einem "sicheren Haus" untergebracht, sagte Floreck. Über die weitere Vorgehensweise der Arbeit in Afghanistan werde noch beraten. Direktor Toni Großhauser sagte: "Wir haben schon viele Krisen gesehen. Diese muss kein Grund sein aufzuhören."

Ehepaar war sich der Gefahr bewusst

Nach Angaben des Geschäftsführers der im hessischen Korbach ansässigen Hilfsorganisation Ora international, Matthias Floreck, ist die 31-Jährige in guter Verfassung. Sie sei sofort nach ihrer Befreiung untersucht worden. Nach Einschätzung eines Pfarrers, der Christina M. kennt, war sich die Frau der gefährlichen Lage in Afghanistan voll bewusst. Das Ehepaar war seit September 2006 für die Organisation in Kabul und wollte sich für HI-Infizierte oder in der Frauenhilfe engagieren. "Wir sind in großer Freude, dass sie jetzt schon wieder befreit ist", sagte der im Ruhestand lebende Pfarrer Albrecht Hauser aus Korntal-Münchingen. Christina M. hatte zeitweise ebenfalls dort gelebt und an Kursen an der Akademie für Weltmission teilgenommen.

Die Angehörigen in Deutschland und Bundesaußenminister Frank Walter-Steinmeier zeigten sich erleichtert. Steinmeier dankte den afghanischen Sicherheitskräften. Unterdessen dauerte das Geiseldrama für den deutschen Bauingenieur Rudolf B. und 19 Südkoreaner weiter an. Sie befinden sich bereits seit fast fünf Wochen in der Gewalt von Entführern in Afghanistan.

Die afghanischen Behörden meldeten außerdem am Montag einen weiteren Fahndungserfolg: Zehn Monate nach dem Mord an zwei deutschen Journalisten in Nordafghanistan sei vergangene Woche in der Provinz Baghlan der Drahtzieher der Tat gefangengenommen worden. Die beiden Deutsche-Welle-Mitarbeiter waren im Oktober vergangenen Jahres in Nordafghanistan erschossen worden, als sie dort zelteten.

Südkoreaner im Hungerstreik?

Derweil sollen drei der 19 in Afghanistan entführten Südkoreaner in einen Hungerstreik getreten sein, um eine Zusammenlegung der getrennten Gruppe zu erreichen. Ein Mann und zwei Frauen hätten die Protestaktion am Sonntag begonnen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

DPA DPA

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