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Entführung im Irak: Firma der Ingenieure soll zahlen

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach will, dass sich die Firma Cryotec, Arbeitgeber der im Irak entführten Ingenieure, an den Kosten der Entführung beteiligt. Es gehe um einen symbolischen Beitrag, so Bosbach.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach fordert den Arbeitgeber der im Irak entführten Ingenieure auf, sich an den Kosten der Entführung zu beteiligen. Es sei nur "recht und billig, dass die Kosten nicht zu 100 Prozent vom Steuerzahler getragen werden", sagte Bosbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die sächsische Firma "Cryotec", bei der die beiden Ingenieure angestellt sind, müsse daher zur Kostentilgung herangezogen werden. Es gehe um einen symbolischen Beitrag, nicht um Schadenersatz.

Die beiden Deutschen seien auf Veranlassung des Arbeitgebers in den Irak gereist. Der FDP-Außenpolitiker Rainer Stinner forderte in der "Berliner Zeitung", im Irak engagierte Firmen müssten Schutzkonzepte für ihre Mitarbeiter entwickeln und notfalls auch Leibwächter oder gepanzerte Limousinen bereitstellen.

Bereits nach der Entführung von Susanne Osthoff und der Familie Chrobog Ende vergangenen Jahres hat die Bundesregierung Überlegungen angestellt, deutsche Staatsbürger für den Fall einer Entführung zu versichern. Unternehmen wie die niederländische Versicherung PIA-Nassau oder Lloyd's aus London bieten so genannten Kidnapping- und Ransom-Policen an.

Die wenigen Firmen, die sich den überschaubaren Markt teilen, geben aus Sicherheitsgründen kaum Details über die Versicherungen bekannt. Vor allem große Unternehmen nutzen die Möglichkeit ihre Mitarbeiter gegen Entführungsfälle zu versichern - unter strikten Bedingungen allerdings. Für Länder mit einer etablierten Entführungsindustrie wie Kolumbien, Brasilien und der Irak müssen die Kunden bis zu sechsstellige Summen an Prämien zahlen.

Nach Ansicht des Heidelberger Juristen Matthias Hartwig müssen deutsche Firmen sich nicht an Kosten für die Befreiung von Mitarbeitern aus Geiselhaft beteiligen. Auch wenn ein Unternehmen Beschäftigte trotz Warnungen des Auswärtigen Amtes in Krisenregionen wie den Irak schicke, könne die Bundesregierung keinen Ersatz für Hilfeleistungen verlangen, sagte der wissenschaftliche Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht der Nachrichtenagentur DPA. "Die Bundesrepublik kann da wenig machen, den Firmen drohen keine finanziellen Konsequenzen."

Eine Firma müsse mit dem Arbeitnehmer regeln, ob er in ein Krisengebiet geschickt und damit Gefahren ausgesetzt sein wolle, sagte der Jurist. "Der Mitarbeiter geht sehenden Auges da hin, und entsprechend hoch wird die Vergütung sein. Das Risiko wird durch den Lohn abgedeckt." Vor allem bei bestimmten Berufssparten: "Wenn jemand Sicherheitsdienste leistet, ist die Gefahr ein Teil des Geschäfts."

nk mit Reuters/DPA / DPA