Entführungsfall Zwei Deutsche in Afghanistan entführt


In Afghanistan sind nach Angaben von Polizei und Auswärtigem Amt zwei Deutsche entführt worden. Bewaffnete hätten die beiden zusammen mit ihrem afghanischen Fahrer und ihrem Dolmetscher verschleppt. Die Taliban wollen nichts damit zu tun haben.

In Afghanistan gibt es offenbar erneut einen Entführungsfall mit deutscher Beteiligung: Nach Angaben der afghanischen Polizei verschleppten bewaffnete Männer zwei Deutsche, ihren afghanischen Fahrer und ihren Dolmetscher. Sie hätten an einem Dammprojekt in Mittelafghanistan gearbeitet, sagte der Polizeichef der Provinz, Mahbobullah Amiri. Die Polizei durchsuche das Gebiet, habe aber noch keinen Kontakt zu den Entführern.

Entführer sollen Ingenieure sein

Das Auswärtige Amt bestätigte, dass es sich bei dem Verschwinden der beiden um eine Entführung handele. Nach Informationen der afghanischen Nachrichtenagentur Padschwok soll es sich bei den beiden um Ingenieure handeln. Miradschuddin Pattan, zuständiger Gouverneur, sagte, die Entführten und ihre fünf ebenfalls verschleppten afghanischen Kollegen seien in der Gewalt einer Taliban-Gruppe.

Nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums in Kabul wurde eine "umfassende Suche" nach den entführten Deutschen und ihren afghanischen Begleitern eingeleitet. Er bestätigte, dass die Bundesbürger in der Provinz Wardak gekidnappt worden sind, nannte aber mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine weitere Einzelheiten.

Die Vereinten Nationen bestätigten die Entführung in Afghanistan. Das Auswärtige Amt bemüht sich um das Schicksal der beiden Deutschen. Die Botschaft in Kabul und alle relevanten Stellen seien eingeschaltet und um rasche Aufklärung bemüht, sagte eine Sprecherin in Berlin.

Taliban-Sprecher Zabeeullah Mujahid erklärte, nach seinen Informationen sei kein Ausländer von den Kämpfern seiner Organisation festgesetzt worden. "Ich habe mich mit allen unseren Truppen in der Region in Verbindung gesetzt, aber niemand weiß irgendwas darüber", sagte er in einem Telefongespräch.

Das AA ist noch mit einer weiteren Entführung befasst

Anfang Juli war erstmals seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 ein Deutscher in Afghanistan entführt worden. Die Kidnapper hatten den Geschäftsmann unter bis heute unklaren Umständen nach einer Woche wieder freigelassen. Das Auswärtige Amt in Berlin ist derzeit noch mit einem weiteren Entführungsfall befasst. Im Februar war eine Deutsche mit ihrem Sohn in der irakischen Hauptstadt Bagdad verschleppt worden. Die Mutter wurde in der vergangenen Woche zwar wieder freigelassen worden, ihr Sohn ist aber weiter in der Hand der Entführer.

In Afghanistan sind Deutsche bereits mehrfach Opfer von Gewalt geworden. Erst Anfang Juli waren ein in Afghanistan entführter Deutscher und sein Dolmetscher nach einwöchiger Gefangenschaft freigelassen worden. Die Hintergründe der Entführung blieben im Dunkeln. Im März erschossen bewaffnete Männer im Norden des Landes einen deutschen Mitarbeiter der Welthungerhilfe. Im Oktober 2006 ermordeten Unbekannte eine Journalistin und einen Techniker der Deutschen Welle.

DPA/AP AP DPA

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