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Journalist Deniz Yücel in Haft: Die Rache von Erdogans Schattenmann

Berat Albayrak ist der Schwiegersohn von Erdogan. Er gilt als sein Kronprinz. Und er geht genauso rücksichtslos gegen Kritiker vor, so wie gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel.

Berat Albayrak auf der Bühne mit seinem Schwiegervater Erdogan

Berat Albayrak ist mit Erdogans ältester Tochter, Esra, verheiratet

Berat Albayrak ist nicht nur türkischer Energieminister, sondern auch der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Kritische Berichte über den aufstrebenden 38-jährigen Politiker sind daher riskant, wie nun auch der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel feststellen musste. Yücel hatte im Herbst als einer von wenigen Journalisten in der Türkei über die Redhack-Affäre um Albayrak zu berichten gewagt und sitzt nun in Istanbul in Untersuchungshaft.

Der jungenhafte Politiker ist mit Erdogans ältester Tochter Esra verheiratet, sein Vater Sadik gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. An ihrer Hochzeit im Juli 2004 nahmen namhafte Staatsführer teil. Als Albayrak nach der Parlamentswahl im November 2015 zum Energieminister ernannt wurde, sahen Kritiker darin einen Beweis für den Klientelismus, den sie Erdogan seit langem vorwarfen.

Albayrak ist immer an Erdogans Seite

Dass Albayrak in der dramatischen Putschnacht des 15. Juli mit Erdogan im Badeort Marmaris war, verdeutlichte ihre Nähe. Als sich der Präsident am frühen Morgen am Flughafen in Istanbul an die Presse wandte, war auch Albayrak an seiner Seite. Für die Opposition hat der als "Damat" (Schwiegersohn) bekannte Politiker als "Schatten" von Ministerpräsident Binali Yildirim längst zu viel Einfluss.

Regierungsnahe Beobachter beschreiben Albayrak dagegen als einen der fähigsten Minister des Kabinetts, der rasch Informationen verarbeiten könne und ausländische Kollegen mit seinen Englisch-Kenntnissen beeindrucke. Albayrak, der einen Master der New Yorker Pace University hat, werden Ambitionen nachgesagt, die deutlich über das wichtige Energieressort hinausgehen.
In den vergangenen Jahren geriet Albayrak aber wiederholt ins Zwielicht. In der Krise nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der türkisch-syrischen Grenze im November 2015 warf Moskau Erdogans Familie und Albayrak vor, in illegalen Ölhandel mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verwickelt zu sein. Auch Gegner Erdogans hatten zuvor ähnliche Vorwürfe erhoben.

Deniz Yücel schrieb über E-Mail-Affäre

Im September 2016 veröffentlichte dann die linke Hackergruppe Redhack zehntausende E-Mails im Internet, die angeblich vom E-Mailkonto Albayraks stammten. Nachdem die Regierung den Zugang zu den Dokumenten gesperrt hatte, veröffentlichte im Dezember die Enthüllungsplattform Wikileaks die E-Mails. Nur wenige Journalisten wagten es damals in der Türkei, über die brisanten E-Mails zu berichten.

Unter ihnen war Yücel, der in der "Welt" über Dokumente schrieb, in denen die Schaffung einer "Troll-Armee" zur Beeinflussung der Debatten im Internet diskutiert wurde. In anderen E-Mails ging es um Kontakte zwischen Albayrak und dem Chef der Dogan Mediengruppe, Mehmet Ali Yalcindag, in denen dieser seine Bereitschaft versicherte, die Berichterstattung auf Regierungslinie zu halten. Yalcindag bestritt die Echtheit der E-Mails, trat aber zurück.


Albayrak unterhält seit langem enge Verbindungen zur Medienwelt. Bis Ende 2013 war er Vorstandschef der Calik Holding, die Anteile an Textil-, Energie- und Medienfirmen hat, darunter die Zeitung "Sabah" und der Fernsehsender A-Haber. Bevor er Minister wurde, schrieb Albayrak regelmäßig für "Sabah", eines der wichtigsten Blätter im Regierungslager.

Nach der Inhaftierung Yücels sagte Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu, der Grund für dessen Festnahme seien die Berichte über die E-Mails Albayraks. Und er deutete an, dass seine Partei selbst belastende Informationen zu Erdogans Kronprinz habe, die sie "zur rechten Zeit" publik machen werde.

tis/Ulrich von Schwerin / AFP