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Erster Arbeitstag: Obama rackert, Bush entspannt

Ungleicher kann ein Tag nicht aussehen: Während sich Ex-US-Präsident George W. Bush in Texas ausruht, hastet sein Nachfolger Barack Obama von Termin zu Termin. Noch an seinem ersten Arbeitstag will der 47-Jährige viele wichtige Entscheidungen treffen. Eine ist bereits gefallen: Obama legte etliche Bush-Verordnungen auf Eis.

Nach einer rauschenden Ballnacht beginnt Barack Obama an diesem Mittwoch mit der Regierungsarbeit. Auf den neuen US-Präsidenten wartet ein vollgepackter erster Arbeitstag: Barack Obama will seinen "Tag 1" im Amt symbolisch aufwerten und früh viele wichtige Entscheidungen treffen. Dazu zählt, was der 47-Jährige bereits im Juli versprach: Dass er den Militäreinsatz im Irak beenden und die Generalstabschefs sofort beauftragen will, einen Rückzugsplan auszuarbeiten. Vor allem aber wird sich Obama mit seinen Beratern über die Wirtschaftskrise austauschen und sein geplantes, hunderte Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket vorantreiben.

Debattieren will Obama auch über die Lage in Afghanistan, wo er das amerikanische Engagement verstärken möchte, um gegen die radikalislamischen Taliban zu kämpfen. Für alle militärischen Beratungen wurden der alte und neue Verteidigungsminister Robert Gates, Generalstabschef Mike Mullen und weitere Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats eingeladen. Über eine Videoleitung sollen die Kommandeure im Irak und in Afghanistan, General Ray Odierno und General David McKiernan, zugeschaltet werden. Auf der Tagesordnung steht ferner die Situation im Gaza-Streifen, in dem derzeit die Waffen schweigen.

Darüber hinaus hat Obama einige Entscheidungen der Regierung von George W. Bush bereits rückgängig gemacht oder aufgehalten: So entschied der neue US-Präsident schon in der Nacht auf Mittwoch, alle Terrorismus-Verfahren im umstrittenen Gefangenenlager Guantánamo für die Dauer von 120 Tagen auszusetzen. Besonders umstrittene Verhörmethoden wie das Waterboarding sollen nicht mehr praktiziert werden. Der Stabschef des Weißen Hauses, Rahm Emanuel, wies alle Bundesbehörden an, die von der Bush-Regierung erlassenen, aber noch nicht umgesetzten Verordnungen zu stoppen, bis sie die neue Regierung geprüft habe.

Um 10 Uhr erwartet Obama ein offizieller Gottesdienst in der National Cathedral in Washington. Tagsüber empfängt er mit seiner Frau Michelle Hunderte Besucher im Weißen Haus, um sich besonders bürgernah zu präsentieren. Interessenten konnten sich im Internet um eine Karte bemühen.

Während Obama folglich von Termin zu Termin hastet, schätzt sich sein Vorgänger Bush nach eigenen Worten glücklich, wieder in seinem Heimatstaat Texas zu sein. Seine erste Nacht als Privatmann verbrachte der frühere Gouverneur von Texas auf seiner Ranch in Crawford, wo er als Präsident in den vergangenen Jahren auch enge ausländische Verbündete empfangen hatte. Die Präsidentschaft sei eine Freude gewesen, sagte er am Dienstagabend (Ortszeit) vor 25.000 Unterstützern in Midland. "Aber so toll wie es war - nichts ist so wie Texas bei Sonnenuntergang." Bush erklärte, er komme "mit erhobenem Haupt nach Hause", wenn er in den Spiegel schaue, könne er stolz sein. In naher Zukunft will Bush mit seiner Frau in einen Vorort der Großstadt Dallas ziehen, wo sich die Familie ein Haus kaufte.

DPA/AP / AP / DPA