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EU-Schuldenkrise: Das Geschäft der Zocker

Die Spekulanten haben ein neues Opfer: Jetzt wetten sie gegen Italien und befeuern erneut die europäische Schuldenkrise. Für italienische Staatsanleihen werden Rekordzinsen verlangt, die Kreditaufnahme schießt in Höhe. Wie funktioniert das Geschäft der Krisen-Zocker eigentlich?

Von Özlem Gezer

Politiker mögen die Krise des Europäischen Währungssystems (EWS) bedauern, für Banken und Investoren sind Turbulenzen jedoch in der Regel ein gutes Geschäft.

Mit Italien gerät jetzt ein europäisches Schwergewicht ins Wanken. Finanzexperten fürchten, dass die drittgrößte EU-Volkswirtschaft zum Krisenfall werden könnte. Doch welche Verantwortung tragen die Spekulanten an der Schuldenkrise der Länder eigentlich? Wenn die Ratingagenturen ein Land für bankrott erklären, fällt der Startschuss für die Zocker der Finanzkrise. Dann beginnen Sie auf die Staatspleite des jeweiligen Landes zu spekulieren.

Wie funktionieren das System der Zocker

Der Spekulant: Ein unglaublich mächtiger Finanzhai? Das unbekannte Phantom? Derjenige, der den Euro in den Keller treibt und die Staatsverschuldung in die Höhe? Zumindest sagen es seine Kritiker. Immer wieder taucht der Begriff des Spekulanten auf, wenn es um das Schuldendrama der EU Staaten geht. Viele Kritiker und Finanzaufseher sehen in den Zockern die Verursacher der Finanzkrise. Für andere bleiben sie jedoch nur ein Symptom und sind nie die Ursache einer Krise. Doch auf was spekuliert der Sündenbock eigentlich? Der Spekulant ist derjenige, der auf die Entwicklungen in der Zukunft wettert. Zum Beispiel auf Preisveränderungen an den Finanzmärkten, immer mit dem Ziel, daraus Profit zu schlagen. Die Anleger geben den Finanzhäusern ihr Geld. Sie sollen es vermehren, also investieren sie in Fonds. In diesen Fonds liegen dann beispielsweise italienische Staatsanleihen - oder die sogenannten Credit Default Swaps (CDS), die Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen.

Die Methode ist simpel, sie lautet "Leerverkauf" beziehungsweise ein "Short" auf eine Währung. Hält ein Spekulant beispielsweise den Euro für einen Abwertungskandidaten, dann wettet er gegen ihn. Er nimmt einen kurzfristigen Kredit auf und verkauft die Euros gegen US-Doller zu dem noch gültigen hohen Wechselkurs. Da das Geld dem Verkäufer nicht tatsächlich gehört, spricht man von einem "Leerverkauf" oder einer "Short Position". Das allein setzt den Euro schon unter Druck. Ist der Euro dann in Keller gerutscht, kauft der Händler seine Euros zurück und bezahlt damit die aufgenommenen Kredite ab. Die Spekulation geht auf, wenn der Kursgewinn höher ist, als die angefallenen Kreditkosten.

Im Börsenjargon heißt dieses Prinzip dann "short gehen". Im Prinzip gilt die Strategie für alle abwertungsverdächtigen Währungen, seien es nun Euro, Pfund, Doller oder Wertpapiere. Bei den Wertpapieren ist der einzige Unterschied: Die Spekulanten leihen sich Wertpapiere und verkaufen sie ebenfalls in der Hoffnung, dass ihr Kurs richtig sinkt.

Das größte Risiko für Leerverkäufer ist ein Wertzuwachs der attackierten Währung. Dann kann der Verlust für den Zocker drastisch ausfallen. Wenn nicht, bleiben die Verlierer Steuerzahler und amtierenden Regierungen.

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