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Ehemaliger Koch der Diktatoren-Familie: Pjöngjang ist nachts kein guter Ort für Kim-Freunde

Was genau hat Kim Jong Un? Der frühere Koch der Kim-Familie hält eine Knöchel-OP für plausibel, wie er dem "Spiegel" sagte. Aber offenbar sind nicht alle Nordkoreaner ihrem Diktator wohlgesonnen.

Athletenehrung: Kim und seine Gattin (M.r.) empfangen die Teilnehmer der Asienspiele

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Der vielleicht bekannteste Intimus der nordkoreanischen Kim-Dynastie ist weder ein Landsmann noch ein Familienangehöriger - sondern der Koch Kenji Fujimoto aus Japan. Jahrelang hatte er für das leibliche Wohl des Diktatorenclans gesorgt, bis er Ende der 1990er zurück in die Heimat floh. Seitdem ist der 67-Jährige gefragter Interviewpartner für westliche Medien - auch der stern sprach bereits mit ihm. Nun hat der "Spiegel" Fujimoto getroffen und ihn zum Zustand von Kim Jong Un befragt - er kennt den Machthaber seit Kindertagen und ist nach eigener Aussage noch immer mit ihm befreundet.

- über Kims Gesundheitszustand: Die Gerüchte, der Jungdiktator habe sich am Knöchel operieren lassen, hält Fujimoto für plausibel. Wie schon Kim Jong Il leide er unter seiner Kleinwüchsigkeit und versuche sie mit Hilfe von Absätzen zu überspielen. "Zwar trägt er nicht so hohe Absätze wie sein Vater, aber auf die Füße wirken sie gleichwohl schmerzhaft", sagte er dem "Spiegel". Der Koch will dem "Genossen General", wie er ihn nennt, schriftlich Genesungswünsche überbracht haben. "Kim soll auf seine Gesundheit achten, davon hängt das Wohl seines Volkes ab", so Fujimoto .

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über sein Verhältnis zum Machthaber

: Beim letzten Treffen der beiden, das rund zwei Jahre her ist, hätten sie drei Stunden lang geschlemmt. Kim habe Bordeaux getrunken, er selber Schnaps. Am Ende war der Ex-Koch so betrunken, dass er aufs Zimmer getragen werden musste. Damals hätten auch Kims Frau Ri Sol Ju, die Schwester Kim Yo Jong und der Onkel Jang Song Taek, der Ende vergangenen Jahres in Ungnade gefallen war und hingerichtet wurde, mit am Tisch gesessen.

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über Kims Macht

: Fujimoto erzählt, dass beim Essen ein Mann, offenbar jemand von der Sicherheit, aufgesprungen sei und ihn, den Koch, des Verrats beschuldigt habe. Offenbar wegen seiner Flucht aus Nordkorea. Kim Jong Un, der seinem Freund verziehen haben will, musste den Funktionär zu Ruhe ermahnen. Diese Art von Disput hätte es früher nicht gegeben, zitiert das Blatt den Japaner. Anscheinend sitzt der junge Machthaber nicht so fest im Sattel. Dafür spricht auch, dass Kim ihn gewarnt habe, Pjöngjang sei bei Nacht kein gutes Pflaster für ihn. Deswegen musste der Gast aus dem Nachbarland in einem streng bewachten Gästehaus übernachten.

Kim scheint wieder der Alte zu sein

Der Anfang 30-jährige Kim Jong Un war fast sechs Wochen aus der Öffentlichkeit verschwunden. Erst Mitte Oktober tauchte er plötzlich wieder auf. Ausgerüstet mit einem Gehstock zeigten ihn die staatlichen Medien, wie er diverse Wohnanlagen inspizierte. Am Sonntag wurden Bilder veröffentlicht, wie er die erfolgreichen nordkoreanischen Athleten der Asienspiele ehrt. Kim scheint zumindest nach außen, wieder ganz der Alte zu sein.

Niels Kruse
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