Ex-Sprecher Bush hat Öffentlichkeit in die Irre geführt


Schwere Vorwürfe aus dem innersten Zirkel: Der frühere Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, hat der Bush-Regierung vorgeworfen, die Öffentlichkeit getäuscht und den Irakkrieg mit "Propaganda" verkauft zu haben.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush soll die Öffentlichkeit in die Irre geführt haben, um den Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen. Das behauptet der ehemalige Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan in seinen Memoiren, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden sollen. Er habe Bush nicht direkt der Lüge bezichtigt, werfe ihm aber vor, die Krise so gemanagt zu haben, dass der Krieg als einzige machbare Möglichkeit übrig geblieben sei, berichtet die "Washington Post".

In dem Kapitel "Selling the War" (Den Krieg verkaufen) schreibt der Ex-Sprecher demnach, hohe Mitarbeiter der Bush-Regierung hätten im Sommer 2002 eine Propaganda-Strategie erarbeitet, um den Krieg aggressiv zu verkaufen. Es sei darum gegangen, Informationen im Interesse des Präsidenten zu manipulieren. Der Präsident sei "auf eine schreckliche Art und Weise vom Weg abgekommen", zitiert auch die Internetseite Politico.com aus McClellans Buch.

Vizepräsident Dick Cheney, der als treibende Kraft hinter dem Irakkrieg gilt, bezeichnete McClellan demzufolge als einen "Zauberer", der die Politik hinter den Kulissen lenkte und dabei keine "Fingerabdrücke" hinterließ. McClellan bezeichnet den Irakkrieg als unnötig.

Kritik auch am Katastrophen-Management

In seinem 341-seitigen Buch "What Happened: Inside the Bush White House and Washington's Culture of Deception" gehe McClellan mit der Regierung härter ins Gericht als erwartet, berichtet Politico.com. Demnach kritisierte McClellan die Regierung auch für ihr Verhalten nach der Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan Katrina. Die Regierung habe die Katastrophe in der ersten Woche schlicht nicht wahrhaben wollen, wurde McClellan zitiert.

McClellan war von Juli 2003 bis April 2006 Sprecher Bushs. Er gehört bereits seit langem zu Bushs Umfeld und hat erklärt, er möge und bewundere den Präsidenten immer noch. Bush sei von seinen Spitzen-Leuten schlecht beraten worden.

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker