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FBI-Bericht: Koranschändung seit 2002

Weltweite Proteste lösten Berichte über eine angebliche Schändung des Korans in Guantanamo aus. Jetzt geht aus veröffentlichen Akten der US-Bundespolizei FBI hervor: Schon vor drei Jahren soll der Koran entweiht worden sei.

US-Aufseher im Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba sollen nach nun veröffentlichten FBI-Unterlagen bereits vor drei Jahren den Koran die Toilette hinuntergespült haben. Dies geht aus jetzt veröffentlichten Akten der US-Bundespolizei FBI hervor. Ein mittlerweile zurückgezogener US-Magazinbericht über derartige Vorfälle hatte unlängst in moslemischen Ländern zu heftigen Protesten geführt, bei denen in Afghanistan 16 Menschen ums Leben kamen.

Die bislang geheimen Akten sind der erste Hinweis, dass das amerikanische Justiz- und das Verteidigungsministerien schon 2002 davon wussten, dass Gefangene über Schändungen des den Muslimen heiligen Buches berichteten. Die Akten wurden am Mittwoch von der amerikanischen Bürgerrechtsunion ACLU veröffentlicht.

In dem Dokument sind Äußerungen eines Gefangenen in Guantanamo zusammengefasst, die dieser wenige Tage zuvor in Gesprächen mit einem Mitarbeiter der US-Bundespolizei FBI gemacht hatte. In den Aufzeichnungen des FBI-Mitarbeiter heißt es: "Persönlich hat er (der Gefangene) nichts gegen die USA. Die Aufseher in dem Lager behandeln ihn nicht gut. Ihr Verhalten ist schlecht. Etwa vor fünf Monaten schlugen die Wächter die Häftlinge. Sie spülten ein Exemplar des Koran die Toilette hinunter."

US-Militär hat Vorwürfe nicht bekräftigt

Pentagon-Sprecher Lawrence Di Rita erklärte, Angehörige der US-Streitkräfte in Guantanamo hätten vor kurzem eine andere Akte mit der gleichen Anschuldigung des gleichen Häftlings gefunden. Dieser sei am 14. Mai erneut vernommen worden. "Er hat seinen Vorwurf nicht untermauert", sagte Di Rita. Auf die Frage, ob es nicht möglich sei, dass dieser Häftling aus Furcht vor Repressalien seine Behauptungen nicht bekräftigt habe, antwortete der Pentagon-Sprecher, das sei eine Frage der Einschätzung, und er vertraue dem Urteil der US-Kommandeure in Guantanamo mehr als dem eines Al-Kaida-Terroristen. Das Pentagon hat stets auch ähnliche Berichte von inzwischen frei gelassenen Insassen als unglaubhaft zurückgewiesen.

Die FBI-Unterlagen legen zudem die Vermutung nahe, dass die Gefangenen misshandelt wurden und dass das den Moslems heilige Buch bereits im April 2002 geschändet wurde. Rund drei Monate zuvor waren die ersten Häftlinge in Guantanamo angekommen.

Das amerikanische Nachrichtenmagazin "Newsweek" hatte am 9. Mai unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten US-Beamten berichtet, einer regierungsinternen Untersuchung zufolge hätten Aufseher im Gefangenenlager Guantanamo Ausgaben des Korans in Toiletten ausgelegt, in einem Fall sei sogar ein Exemplar im Klo hinuntergespült worden. Der Bericht löste in islamischen Ländern Massenproteste aus, in deren Verlauf mindestens 15 Menschen ums Leben kamen. Eine Woche nach Erscheinen zog "Newsweek" den Artikel zurück. Zur Begründung hieß es, der Informant sei sich seiner Sache nicht mehr sicher.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters