Flüchtlinge im Sudan "Hunderttausende werden sterben"


Zum Weltflüchtlingstag beklagt Unicef die mangelnde Hilfe für die Krisenregion Darfur. Es fehle an Geld und Unterstützung, so das Kinderhilfswerk. Und wenn sich nichts ändere, seien Hunderttausende vom Tod bedroht.

Im sudanesischen Kriegsgebiet Darfur herrscht trotz eines Friedensabkommens Chaos, Not und Gewalt: eine Viertelmillion Menschen mussten seit Jahresbeginn aus der Region fliehen, Hilfsorganisationen haben sich aus Darfur weitgehend zurückgezogen, können gerade einmal die Hälfte der fast zwei Millionen Flüchtlinge mit Nahrung versorgen und selbst friedenswillige Rebellengruppen sehen sich wegen fehlender UN-Truppen nicht in der Lage, das Abkommen einzuhalten.

Jetzt, zum Weltflüchtlingstag, befürchtet das Kinderhilfswerk Unicef den Tod von weiteren Hunderttausenden Menschen in der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur. Die Gewalt habe in den vergangenen Monaten zugenommen, sagte Unicef-Botschafterin Mia Farrow nach ihrer Rückkehr aus der Krisenregion. "Wenn Unicef und andere Hilfsorganisationen nicht mehr in Darfur arbeiten können, werden weitere Hunderttausende Menschen in den kommenden Monaten sterben. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren", so Farrow weiter.

"Nur 20 Prozent der benötigten Mittel erhalten"

Das Kinderhilfswerk beklagt zudem die Finanzsituation von Hilfsorganisationen: Bis Anfang Juni habe Unicef lediglich 20 Prozent der für 2006 benötigten Mittel erhalten. Die Organisation rief die Bundesregierung und die Öffentlichkeit zu Spenden auf.

Unicef forderte außerdem verstärkte Anstrengungen zum Schutz der so genannten Binnenvertriebenen, die innerhalb der Grenzen eines Landes auf der Flucht sind. Diese würden von Hilfsorganisationen oft nur schlecht erreicht, weil Rebellen oder Rebellenbewegungen den Zugang verweigerten. Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es weltweit 14,2 Millionen Flüchtlinge und 25 Millionen Binnenvertriebene, die meisten davon in Afrika.

Auch die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek- Zeul (SPD) hat die Konfliktparteien im Sudan aufgefordert, humanitäre Hilfsmaßnahmen nicht länger zu behindern. Zudem sei in einigen Lagern die Cholera ausgebrochen. "Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, damit diese Flüchtlinge und Vertriebenen wieder in ihre Heimat zurückkehren können", sagte Wieczorek-Zeul. Das Entwicklungsministerium unterstützt Flüchtlinge aus Darfur mit mehr als zwei Millionen Euro. Insgesamt stellt das Ministerium jährlich mehr als 40 Millionen Euro für die Unterstützung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen zur Verfügung.

Die Deutsche Welthungerhilfe hatte kürzlich die Verteilung von Hilfsgütern in Darfur wegen andauernder Kämpfe zwischen Rebellengruppen eingestellt. Damit sind nach Angaben der Organisation 385.000 Menschen vom Hungertod bedroht, weil sie im Juni keine Nahrungsmittel bekommen.

UN-Truppen kommen erst 2007

Die Vereinten Nationen haben eine Friedensmission für die Region bereits gebilligt. Demnach sollen UN-Soldaten Anfang kommenden Jahres die derzeitige Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in Darfur ablösen. Die sudanesische Regierung steht diesem Wechsel allerdings skeptisch gegenüber und hat deshalb nur zögerlich reagiert.

Mit DPA/AP/Reuters AP Reuters

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