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Folterskandal in Abu Ghraib: US-Militärärzte vertuschten Misshandlungen

Der Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zieht weitere Kreise. Ein medizinisches Fachblatt berichtet, dass US-Militärärzte Misshandlungen an irakischen Gefangenen vertuscht und sogar mit geplant haben sollen.

Das britische Fachjournal "The Lancet" berichtet am Freitag, dass einige Ärzte Totenscheine gefälscht hätten, um die Todesursache von Gefangenen zu verschleiern. Außerdem seien sie eindeutigen Hinweisen, etwa auf Schläge, nicht nachgegangen, so das Blatt.

"Armee-Vertreter haben dargelegt, dass ein Arzt und ein Psychiater dabei geholfen haben, Verhöre in Abu Ghraib zu planen, zu billigen und zu überwachen", hieß es in dem Artikel. Der Autor berief sich darin nicht nur auf Aussagen, die US-Soldaten unter Eid geleistet hatten, sondern auch auf Unterlagen einer Anhörung vor dem US-Kongress sowie Angaben von Gefangenen und Hilfsorganisationen.

Gegen mehrere US-Soldaten wird wegen der Misshandlung von Gefangenen in Abu Ghraib ermittelt. Fotos von den Misshandlungen hatten international für Empörung gesorgt und auch die US-Regierung in Bedrängnis gebracht.

Militärkommando an Vorgängen in Abu Ghraib mitschuldig

Ein Untersuchungsbericht des US-Militärs gibt einer Zeitung zufolge der höchsten Kommandoebene eine Mitschuld an den Misshandlungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib.

Die von Generalmajor George Fay geleitete Untersuchung kommt der "Washington Post" zufolge zu dem Schluss, dass eine Kombination aus Führungsfehlern, verwirrenden Geheimdiensttaktiken, Disziplinlosigkeit und totalem Durcheinander zu den Misshandlungen geführt hätten. Die militärische Führung sei mitverantwortlich, weil sie den Anzeichen des Missbrauchs und den Berichten des Internationalen Roten Kreuzes nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt hätte, sagte ein mit dem Bericht vertrauter US-Vertreter der Zeitung. "Das Kommando hätte mehr auf diese Angelegenheit achten müssen". Signale und Symptome der Misshandlungen seien nicht ausreichend überprüft worden. Der Bericht soll nächste Woche dem US-Kongress vorgelegt werden.

Die US-Regierung und das Verteidigungsministerium hatten die Misshandlungen auf das Fehlverhalten einzelner Soldaten zurückgeführt. Gegen sieben Mitglieder der Militärpolizei wurde wegen der Vorfälle Anklage erhoben, unter anderem wegen sexueller Demütigung.

US-Militär will Soldaten in Mannheim wegen Folterskandal verhören

Das US-Militär will in der kommenden Woche in Mannheim mehrere beschuldigte Soldaten zum Folterskandal verhören. Die Anhörungen der vier Militärpolizisten am Montag und Dienstag sei allerdings eine noch einmalige juristische Begebenheit, betonte ein Sprecher des US-Militärs in der Taylor-Kaserne. Alle weiteren Phasen des Verfahrens sollten vorerst in Bagdad bleiben. Grund für die zweitägige Verlegung der Anhörungen nach Mannheim seien Sicherheits- und Kostenbedenken der Rechtsanwälte gewesen, hieß es weiter.

Dem Soldaten-Quartett werden unter anderem Misshandlungen, tätliche Angriffe, Nötigung und Verschwörung vorgeworfen. Die Anhörungen sind nach US-Strafprozessrecht Teil des Vorverfahrens. Es soll geklärt werden, ob die Beweise für die Eröffnung eines Prozesses vor einem Militärgericht ausreichen. In den Mannheimer Anhörungen können bereits Zeugen befragt und von Anklägern und Verteidigern Beweisanträge eingebracht werden.

Der Folterskandal von Abu Ghraib hatte im April weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Damals waren Fotos an die Öffentlichkeit gedrungen, die US-Militärpolizisten bei der Misshandlung und sexuellen Nötigung von irakischen Häftlingen zeigten. Auf den Bildern war unter anderem auch der in Mannheim anwesende Korporal Charles Grainer in triumphierender Pose hinter einer Pyramide von aufgestapelten nackten Gefangenen zu sehen. Auch seine Freundin, die Hauptgefreite Lynndie England, präsentierte sich auf den Fotos mit einem nackten Gefangenen an einer Hundeleine.

Während sich die meisten Militärpolizisten darauf berufen, von Vorgesetzten und Angehörigen des US-Militärgeheimdienstes zu ihren Taten ermutigt worden zu sein, hatte sich der Stabsgefreite Jeremy Sivits bereits im Vorverfahren schuldig bekannt. Er war im Mai von einem Militärgericht in Bagdad zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zur Entlassung aus der Armee verurteilt worden.

Reuters, DPA

DPA