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Tweet-Sturm: Bricht Donald Trump nun endgültig mit seinem einstigen Lieblingssender Fox News?

Seit Wochen schimpft Donald Trump über sein einstigen Lieblingssender Fox News - wegen ungünstiger Umfragen und falscher Gäste. Jetzt hat der US-Präsident einen wahren Tweet-Sturm losgetreten - ist das das Ende der alten Freundschaft?

Donald Trump und Sean Hannity

Donald Trump und der ihm freundschaftlich verbundene "Fox"-Moderator Sean Hannity

AFP

Früher oder später katapultiert Donald Trump sie alle aus seinem Orbit hinaus: Ob alte Weggefährten, politische Verbündete, Geschäftspartner oder loyale Erfüllungsgehilfen – wer sich auf Donald Trump verlässt, ist irgendwann selbst verlassen. Der jüngste Fall von Liebesentzug betrifft Fox News, bislang Trumps Leib- und Magensender. Die Zahl seiner Klagen über den erzkonservativen Sender mehren sich: "Das neue Fox News lässt Millionen großartiger Leute im Stich. Wir müssen uns nach einem neuem Nachrichtenkanal umsehen", twitterte der US-Präsident in einem wahren Sturm der Entrüstung.

Donald Trump: "Fox arbeitet nicht mehr für uns"

Schon seit einigen Wochen schimpft Trump öffentlich über den Sender: Mal geht es um Umfragen, die ihm nicht passen (obwohl sie im landesweiten Umfragenschnitt liegen), mal um Fox-News-Gäste, die ihm nicht passen (zu viele Vertreter der demokratischen Partei). Zuletzt um ein Gespräch mit der Sprecherin der Oppositionspartei über die anstehende Kandidatendebatte ("Konnte widerspruchslos sagen, was sie wollte") Empört fügte er an: "Fox arbeitet nicht mehr für uns". Was die Vertreter der TV-Station, in überraschender Klarheit, genauso empört zurückwiesen.

Chris Evans und Tomi Lahren.

"Fox News ist nicht dafür da, für dich zu arbeiten", schrieb Moderator Brit Hume kurz angebunden auf Twitter. Nun gehört der politische Kommentator zu den wenigen Gesichtern des Senders, die dem US-Präsidenten ab und an vor laufenden Kameras widersprechen, aber er blieb nicht der einzige: Guy Benson schrieb, fast gleich lautend: "Wir arbeiten nicht für dich" und der Medien-Kolumnist Howard Kurtz erklärte dem US-Präsidenten, wie Journalismus funktioniert: "Unsere Arbeit besteht darin, beide Seiten abzubilden."

Was nicht für Trump ist, ist "Fake News"

Donald Trump hat seit langem ein sehr eigenes Verhältnis zu den Medien. Berichten sie vorteilhaft über ihn – so wie es Fox News lange getan hat und im Grunde immer noch auffallend oft tut – dann erwidert er diese Zuneigung mit großem Lob, berichten sie einfach nur kritisch – so wie die hochseriösen "New York Times" und "Washington Post" es tun – dann tut er sie als "Fake News" ab. Ganz offenbar fühlt sich der US-Präsident von den Medien, nicht nur in den USA, nicht ausreichend gewürdigt. "Fake News" ist laut Trumps-Twitter-Dokumentation eines der häufigsten Schlagworte in seinen  Tweets.

Ob es aus wahlkampftaktischen Gründen schlau ist, es sich mit Fox News zu verderben, ist fraglich. Der Sender ist mit Abstand der meistgesehene in den USA und dürfte mit seinem konservativen Profil und einer Loyalität bis zur Selbstverleugnung zum Wahlsieg 2016 beigetragen haben. 15 Monate vor dem nächsten Urnengang aber steht der Amtsinhaber mit dem Rücken zu Wand: in den meisten Umfragen liegt er hinter den allermeisten möglichen Kandidaten der Opposition. Der Handelskrieg mit China droht endgültig außer Kontrolle zu geraten und dabei die brummende US-Wirtschaft abzuwürgen.

Noch aber genießt Trump die Rückendeckung von Fox-Scharfmachern wie Sean Hannity (dem der US-Präsident beinahe täglich via Telefon sein Leid klagen soll) und Tucker Carlson. Doch Donald Trump erwähnt in letzter Zeit auffallend oft einen anderen Sender: "Oann.com" – eine vergleichsweise kleine Station aus San Diego, Kalifornien. Der Bezahlsender beschreibt sich als Kanal "für unverfälschte Nachrichten" und ohne politische Meinung. Das allerdings behauptet Fox News auch von sich auch.

Quellen: Donald Trump auf Twitter, "Daily Beast", Guy Benson auf Twitter, Howard Kurtz auf Twitter, Brit Hume auf Twitter,  Trumptwitterarchive.com, "Huffington Post"