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Anschlag in Frankreich: Attentäter hatte Kontakt zur salafistischen Szene

In Frankreich hat es offenbar einen Anschlag gegeben. Neben einem enthaupteten Mann wurde eine islamistische Flagge entdeckt. Ein mutmaßlicher Täter wurde festgenommen. Er soll dem Geheimdienst bekannt sein.

Polizisten sperren das Gebiet um das Gaswerk in Frankreich ab

Nach einem Angriff von mutmaßlichen Islamisten auf ein Gasflaschenwerk in Frankreich sichern Polizeibeamte die Umgebung

Bei einem offensichtlich islamistischen Anschlag auf eine Fabrik in Frankreich ist am Freitag ein Mensch getötet worden. Ein Mann sei mit einer islamistischen Flagge in die Gasanlage nahe Lyon eingedrungen und habe dort mehrere Gasflaschen in die Luft gesprengt, hieß es aus Ermittlerkreisen. Nahe der Fabrik wurde demnach die Leiche eines enthaupteten Mannes gefunden. Es soll sich nicht um einen Werksmitarbeiter handeln. Der Kopf des Opfers war laut Ermittlern mit arabischen Schriftzeichen beschrieben und war an einem Zaun der Anlage befestigt. Zwei Menschen wurden bei dem Angriff leicht verletzt.


Das Attentat ereignete sich in Saint-Quentin-Fallavier nicht weit von der Großstadt Lyon im südöstlichen Zentralfrankreich. Zunächst war nur ein mutmaßlicher Täter gefasst worden. Der Mann sei festgenommen worden, verlautete aus Ermittlerkreisen in Paris. Er soll dem Geheimdienst wegen seiner "Radikalisierung" bereits bekannt sein. Er habe Verbindungen zur "salafistischen Bewegung" gehabt, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag am Anschlagsort. Wenig später wurde auch der zweite mutmaßliche Täter gefasst; er soll Fahrer des Wagens gewesen sein. Beide Männer hatten nach Angaben einer Polizeisprecherin Tücher um den Kopf gewickelt.

Nach Angaben der französischen Seite "Dauphine libéré" soll der mutmaßliche Täter das Tor der Gasflaschenfabrik mit einem Auto durchbrochen haben. Er habe mehrere Gasflaschen geöffnet, die im Hof gelagert wurden. Es kam zu einer Explosion, die die Fabrik in Brand setzte.

Die Gasfabrik gehört dem US-Konzern Air Products, wie eine Sprecherin des französischen Unternehmens Air Liquide aus derselben Branche sagte. Welchen Hintergrund die Auswahl dieses Angriffsziel hat, blieb zunächst unklar.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet

Nach dem Anschlag hat Frankreichs Premierminister Manuel Valls erhöhte Sicherheitsvorkehrungen für die gesamte Region angeordnet. Die Behörden sollten "sofort" in der ostfranzösischen Region Rhône-Alpes die Sicherheitsvorkehrungen für Einrichtungen verstärken, die als gefährdet eingestuft werden könnten, verlautete aus dem Umfeld von Valls. Innenminister Bernard Cazeneuve wollte sich umgehend zum Anschlagsort begeben. Präsident François Hollande kehrt "am frühen Nachmittag" vom EU-Gipfel in Brüssel nach Paris zurück. Der Staatschef sei in "ständigem Kontakt" mit seinem Innenminister Bernard Cazeneuve und den Sicherheitsbehörden, hieß es am Freitag aus dem Umfeld Hollandes. Hollande hat den Angriff als "Terroranschlag" bezeichnet.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Das Bundesinnenministerium in Berlin erklärte, es spreche einiges für einen Anschlag. Die Lage sei aber noch nicht abschließend geklärt.


In Frankreich waren im Januar bei einer islamistischen Anschlagsserie auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und auf einen jüdischen Supermarkt insgesamt 17 Menschen getötet worden.

mka / AFP / Reuters / DPA
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