Frankreich-Besuch Obama fordert mehr Truppen für Afghanistan


Einen Tag nach seiner Rede in Berlin hat der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama die Europäer kaum verhüllt zur Entsendung von weiteren Truppen nach Afghanistan aufgefordert. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Truppen nicht in ihrem Mandat zu beschränken.

Einen Tag nach seiner Rede in Berlin hat der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama die Europäer kaum verhüllt zur Entsendung von weiteren Truppen nach Afghanistan aufgefordert. "Je mehr sich die NATO-Verbündeten engagieren, desto weniger sind die USA verpflichtet, weitere Truppen zu senden", sagte Obama auf einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Paris. Die USA müssten mindestens zwei weitere Brigaden schicken, fügte er hinzu. Der amerikanische Senator sprach sich außerdem dafür aus, die Truppen nicht in ihrem Mandat zu beschränken.

Obama lobte Sarkozy für seine Bereitschaft, die Zahl der französischen Truppen in Afghanistan weiter aufzustocken. "Krieg ist nie einfach, aber wir haben keine Wahl", sagte Obama bei der ersten Pressekonferenz seiner Europareise. "Wir können nicht zulassen, dass El Kaida dort sichere Zufluchtsorte für Terroristen schafft. Wir müssen den Job fertigbekommen", fügte er hinzu.

Mit Sarkozy gebe es erhebliche Übereinstimmungen, betonte Obama. Man sei sich insbesondere einig, dass der Iran von seinem Atomprogramm abgebracht werden müsse. "Der Iran hat die Wahl, sein Verhalten zu ändern und in die internationale Gemeinschaft integriert zu werden", betonte Obama. Er forderte die iranische Regierung auf, die jüngsten Vermittlungsvorschläge umgehend zu akzeptieren "und nicht auf den nächsten Präsidenten der USA zu warten".

Mehr Partnerschaft heißt auch mehr Truppen

Der Kandidat aus Illinois bekräftigte, dass der Kampf gegen den Klimawandel zu den wichtigsten Aufgaben zählen würde, sollte er zum Präsidenten gewählt werden. "Das amerikanische Volk ist bereit, ernsthafte Schritte zu unternehmen. Ich freue mich darauf, beim Kampf gegen den Klimawandel ein Partner (der Europäer) zu sein", betonte Obama. Die USA haben sich während der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush dauerhaft geweigert, das Klimaschutzabkommen von Kyoto zu unterzeichnen.

Europa und die USA müssten die gegenseitigen Klischees überwinden, betonte Obama. "Europa hat oft vergessen, welche Opfer die US-Streitkräfte und US-Steuerzahler für die Sicherheit in Europa geleistet haben. (...) Und in den USA denkt man häufig, dass die Europäer sich bei Sicherheitsproblemen die Hände nicht schmutzig machen wollen", sagte er und bekräftigte sein Interesse an einer verstärkten transatlantischen Partnerschaft.

Keine US-Flagge bei der Pressekonferenz

Auf ein Bad in der Menge musste Obama in Paris verzichten. Die französische Regierung wollte den Eindruck vermeiden, Obama habe die Wahl schon gewonnen. Deswegen war während der Pressekonferenz auch keine US-Flagge zu sehen. Vor dem Élyséepalast sammelten sich jedoch zahlreiche Schaulustige und jubelten dem US-Senator zu, unter ihnen auffallend viele Schwarze. In den Pariser Vorstädten verfolgen viele Einwanderer die politische Karriere des US-Politikers mit afrikanischen Wurzeln mit besonderem Interesse. "Frankreich ist noch lange nicht so weit, hier hat es nicht einmal eine Frau geschafft, Präsidentin zu werden", zitierte die Zeitung "Le Parisien" einen von ihnen. Obama fliegt anschließend weiter nach London.

DPA/AP AP DPA

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