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G20-Gipfel: Beim Treffen: Merkel liest Spickzettel über australischen Premier

Beim G20 Gipfel traf Angela Merkel zum ersten Mal auf den australischen Premier Scott Morrison. Sie saß schon neben ihm, da holte sie ein paar Spickzettel zu ihrem Gegenüber raus. Die Australier amüsiert es. 

Angela Merkel informiert sich über Scott Morrison, während dieser schon neben ihr sitzt

Angela Merkel informiert sich über Scott Morrison, während dieser schon neben ihr sitzt

DPA

Seit knapp drei Monaten heißt der australische Premierminister Scott Morrison. Er ist der fünfte Staatschef, den die Australier seit 2013 in diesem Amt gesehen haben. Am Samstag traf er nun zum ersten Mal auf Kanzlerin Angela Merkel. Beim G20-Gipfel saßen sich die beiden gegenüber - und Merkel brauchte offenbar einen kleinen Spickzettel, um ihren Gesprächspartner einordnen zu können. Während die Kameras der Reporter bereits auf sie gerichtet waren und Morrison im Sessel zu ihrer Rechten saß, zückte sie kurzerhand ein paar Zettel raus, auf denen auch ein Foto des australischen Premiers zu erkennen war. Offenbar musste sich die Kanzlerin erst noch ein bisschen einlesen, bevor sie das Gespräch aufnehmen konnte.

Solche "Fact Sheets" über einen Gesprächspartner sind in der internationalen Politik durchaus üblich - vor allem, wenn man das Gegenüber noch nicht kennt. Doch meistens geht man sie vor einem solchen Treffen durch. 

Auf den Notizen von Angela Merkel ist deutlich ein Bild von Scott Morrison zu erkennen

Auf den Notizen von Angela Merkel ist deutlich ein Bild von Scott Morrison zu erkennen

DPA

"Ich lebe hier und weiß noch überhaupt nichts über ihn"

Dass Merkel dazu offenbar im Vorfeld nicht gekommen ist, nimmt man in Australien mit Humor auf. Die Zeitung "Sydney Morning Herald" spottete am Montag über Morrison, mit dem auch zuhause noch nicht alle Leute etwas anfangen können: "Wer ist das? Australier können Angela Merkels Dilemma wahrscheinlich verstehen."

Auf Twitter bekunden nun viele Australier Solidarität mit Merkel. "Um fair zu sein, nicht einmal wir wissen, warum er in seinem Amt ist", schreibt etwa ein Nutzer. "Angela Merkel hat also einen Spickzettel gebraucht. Dafür kann sie nichts. Ich lebe hier und weiß noch überhaupt nichts über ihn", twitterte ein anderer. "Auch der Rest der Welt muss wohl erst Notizen checken, um zu wissen, wer Morrison ist", pflichtete ein dritter bei. Ein weiterer User gab aber zu bedenken: "Dies zeigt, wie unwichtig Australien für die Mächtigen dieser Welt ist, obwohl wir immer was anderes meinen."

Angela Merkel traf bereits sechs australische Premiers 

Die australische Regierung nimmt es ebenfalls gelassen. "Angela Merkels Administration hat zweifellos einfach dafür gesorgt, dass die Kanzlerin ausreichend informiert ist", sagte der australische Wirtschaftsminister Simon Birmingham am Montag. 

Morrison ist übrigens bereits der sechste australische Premierminister, den Merkel kennenlernen durfte. Und wahrscheinlich auch nicht der letzte. Bis Mai 2019 muss in Australien ein neues Parlament gewählt werden. In den Umfragen liegt die sozialdemokratische Opposition vorn.


ivi