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G8-Gipfel Sogar Putin nickt Syrien-Erklärung ab

Rauflustig wirkte er und blockierte lange eine gemeinsame Erklärung: Doch nun scheinen sich Wladimir Putin und die anderen Regierungschefs der G8-Staaten auf eine Haltung zu Syrien geeinigt zu haben.

Russland und seine G8-Partner streben eine Übergangsregierung an, um den Bürgerkrieg in Syrien mit politischen Mitteln zu beenden. Das verlautete aus den Delegationen beim G8-Gipfel am Lough Erne im nordirischen Enniskillen. Die künftige Rolle oder die politische Zukunft des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sparte die G8-Erklärung nach diesen Angaben allerdings aus. Wie eine Übergangsregierung aussehen soll und ob der Rücktritt Assads eine Voraussetzung für den politischen Übergang ist, ist ebenfalls noch unklar.

Die Staats- und Regierungschefs hatten seit Montag erbittert über eine gemeinsame Position gestritten. Der russische Präsident Wladimir Putin war zumeist isoliert. Wie Diplomaten berichteten, nickte schließlich auch er den Text ab.

Russland ist neben dem Iran der engste Verbündete Assads und beliefert das Regime mit Waffen. Die USA, Großbritannien und Frankreich sagen, Beweise für den Einsatz von tödlichem Giftgas gegen Aufständische zu haben. Deshalb erwägen die drei Staaten, nun die Rebellen aufzurüsten. Die USA und Russland wollen möglichst im Juli eine zweite Syrien-Konferenz in Genf ausrichten.

Putin nimmt Merkel den "Parkplatz" weg

Die Einbindung Russlands war ein hartes Stück Arbeit. Während des Gipfels wirkte Putin mitunter so, als habe er Lust auf eine ordentliche Rauferei. Zunächst einmal platzierte er seine leicht verspätet einfliegende Iljuschin am Flughafen von Belfast ausgerechnet auf den Landeslot, der eigentlich für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reserviert war. Ihr Airbus musste deshalb noch eine Extraschleife drehen. Gewohnt breitbeinig schritt der russische Präsident dann einem Gipfel entgegen, bei dem er sich in Sachen Syrien nur millimeterweise bewegte.

Alles andere als idyllisch ging es bei den G-8-Gesprächen über Syrien in der Seenlandschaft des Lough Erne zu. Stundenlang debattierten die Staats- und Regierungschefs am Montag beim Abendessen, bis in den frühen Morgen mussten die Unterhändler durcharbeiten. Gefeilscht wurde um einzelne Wörter: Wie wird das Ziel der angestrebten Syrien-Konferenz in Genf formuliert? Soll ein Zeitraum genannt werden und welcher? In welcher Form sollen die von den USA als erwiesen angesehenen Giftgaseinsätze erwähnt werden? Am Dienstagnachmittag sickerten dann die Gerüchte über die gemeinsame Resolution durch.

Offene Drohung der britischen Delegierten

Manch übermüdeter Delegierter mochte sich nach der guten alten G7-Zeit gesehnt haben - ohne Russland. In der britischen Delegation wurde offen gedroht, die Abschlusserklärung zur Not eben ohne Putin zu verfassen. "Lasst uns offen aussprechen, wie es hier ist: die G7 plus einen", seufzte der kanadische Premier Stephen Harper schon im Vorfeld.

Der offene Bruch wurde nun also wohl abgewendet: Merkel hatte schon zuvor eingeräumt: "Ohne den russischen Präsidenten am Tisch wären wir uns vielleicht schneller einig gewesen, hätten aber wichtige Teilnehmer nicht dabei gehabt."

anb/DPA/AFP DPA

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