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Gaza-Streifen: "Diese Waffenruhe ist zerbrechlich"

Die einseitige Waffenruhe im Gaza-Streifen ist kaum in Kraft, da gehen die Kämpfe weiter. In der israelischen Grenzstadt Sderot schlagen mehrere aus dem Palästinensergebiet abgefeuerte Raketen ein. Ministerpräsident Ehud Olmert droht daraufhin mit neuen Angriffen.

Nur Stunden nach Inkrafttreten einer einseitig von Israel verkündeten Waffenruhe im Gaza-Streifen ist es am Sonntag zu neuer Gewalt gekommen. Militante Palästinenser feuerten am Vormittag sechs Raketen auf die israelische Grenzstadt Sderot. Zudem kam es Augenzeugenberichten zufolge im Norden des Gaza-Streifens sowie in der Stadt Gaza zu Feuerwechseln zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten.

Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert warnte nach dem Raketeneinschlag in Sderot, bei dem niemand verletzt wurde: "Diese Waffenruhe ist zerbrechlich. Wir müssen sie Minute für Minute, Stunde für Stunde überprüfen." Olmert drohte mit weiteren Militäraktionen im Gaza-Streifen. "Wenn der Beschuss weitergeht, ist die Armee darauf vorbereitet", sagte er Medienberichten zufolge. "Wir werden ohne zu zögern das tun, was getan werden muss." Ein Armeesprecher teilte mit, die Luftwaffe habe die Gruppe von Palästinensern, die die Raketen abgefeuert habe, beschossen und getroffen.

Die von Israel verkündete Waffenruhe war um 2.00 Uhr Ortszeit (1.00 Uhr MEZ) in Kraft getreten. Olmert hatte am Vorabend in Tel Aviv erklärt, Israel habe nach einer dreiwöchigen Offensive seine Kriegsziele mehr als erreicht. Israels Truppen sollten jedoch vorerst im Gaza-Streifen bleiben, um zu gewährleisten, dass die radikal-islamische Hamas keine weiteren Raketen auf Israel abfeuert. Generalstabschef Gabi Aschkenasi erklärte in einer Stellungnahme, dass die Militäroperation "noch nicht zu Ende" sei. Die Truppen im Gaza-Streifen hätten den Befehl erhalten, feindliches Feuer zu erwidern.

Die Hamas hatte die einseitig ausgerufene Waffenruhe für bedeutungslos erklärt, solange sich Israel nicht aus dem Gaza-Streifen zurückziehe und die Blockade des Gebietes aufhebe. In einem Flugblatt verkündete die Organisation den Sieg über die israelischen Truppen. Man gratuliere dem palästinensischen Volk und dem bewaffneten Widerstand, die "dem Feind schwere Verluste zugefügt und ihn zum einseitigen Rückzug gezwungen" hätten.

Nach Angaben palästinensischer Sanitäter wurden unterdessen am Sonntag in den Trümmern im Gaza-Streifen etwa 40 weitere Tote gefunden. Die Zahl der Toten in den drei Wochen der Offensive wurde von der örtlichen Gesundheitsbehörde mit 1245 angegeben. Etwa 5450 Menschen seien verletzt worden. Auf israelischer Seite starben 13 Menschen, darunter drei Zivilisten, bei Raketenangriffen oder Kämpfen im Gaza-Streifen.

Bei einem Gipfel auf Einladung von Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak soll am Sonntag über Auswege aus der Gaza-Krise beraten werden. Dazu wurden auch Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der britische Premier Gordon Brown und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie der jordanische König Abdullah II. im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich erwartet. Merkel wollte am Nachmittag zu Gesprächen nach Israel weiterreisen.

Nach israelischen Medienberichten stimmten am Samstagabend im 12-köpfigen Sicherheitskabinett zwei Minister gegen die Waffenruhe, einer enthielt sich. Die Hamas sei schwer getroffen, sagte Olmert anschließend in Tel Aviv. Die israelischen Angriffe hätten die operativen Kräfte der Hamas stark gemindert und deren Infrastruktur größtenteils zerstört. Viele Gebiete, aus denen militante Palästinenser Raketen auf Israel abfeuern, seien jetzt unter Kontrolle der israelischen Armee. Olmert äußerte auch ausdrücklich Bedauern über die schweren Verluste der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen.

DPA/AP / AP / DPA