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Gazastreifen: Israelische Armee tötet Kinder und Jugendliche

Bei einem Angriff während einer Demonstration in der Stadt Rafah hat die israelische Armee mindestens zehn Kinder und Jugendliche getötet. Rund 50 Palästinenser wurden zum Teil schwer verletzt.

Bei einem israelischen Angriff während einer Demonstration sind mindestens zehn Kinder und Jugendliche getötet worden. Rund 50 weitere Palästinenser wurden beim Einsatz von Panzergranaten und Raketen in der Stadt Rafah zum Teil schwer verletzt. Die Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern richtete sich gegen die Anfang der Woche gestartete Offensive auf das Flüchtlingslager bei Rafah. Verteidigungsminister Schaul Mofas will den Einsatz trotz des blutigen Zwischenfalls fortsetzen.

Bei den Todesopfern handle es sich ausschließlich um Kinder und Jugendliche, teilten palästinensische Ärzte mit. 13 Verletzte seien in akuter Lebensgefahr und 23 weitere schwer verwundet. Die Zahl der Toten könne noch steigen, weil zahlreiche Leichenteile noch nicht identifiziert seien.

Vier Raketen und Panzergranaten

Die rund 3.000 Demonstranten marschierten auf einer Hauptstraße von Rafah in Richtung des Flüchtlingslagers. Als sie noch etwa einen Kilometer vom Eingang des Lagers entfernt waren, wurden nach Berichten von Augenzeugen vier Raketen und vier Panzergranaten abgefeuert. Außerdem war Maschinengewehrfeuer zu hören.

Angeblich war leer stehendes Gebäude das Ziel

Nach israelischen Angaben galt der Angriff einem leer stehenden Gebäude und sollte die Menschenmenge am Weitermarsch hindern. Die israelische Brigadegeneralin Ruth Jaron erklärte im Fernsehen, die Soldaten hätten zunächst Warnschüsse abgegeben, anschließend sei ein verlassenes Gebäude in der Nähe mit vier Panzergranaten beschossen worden. Außerdem habe ein Hubschrauber eine Rakete abgefeuert, die aber in offenem Gelände explodiert sei.

"Terroristisches Kriegsverbrechen"

Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath bezeichnete den Angriff als "terroristisches Massaker und terroristisches Kriegsverbrechen". Der britische Premierminister Tony Blair verurteilt das Vorgehen Israels als "inakzeptabel und falsch". US-Präsident George W. Bush vermied eine direkte Kritik und forderte von Jerusalem eine Klärung des Vorfalls. Sowohl Israelis als auch Palästinenser forderte er zu Zurückhaltung auf: "Ich werde weiterhin darauf bestehen, dass alle Parteien im Nahen Osten Rücksicht auf unschuldiges Leben nehmen", sagte Bush.

Soldaten schossen auf Jugendliche

Im Flüchtlingslager Rafah schossen Soldaten unterdessen auf zwei Jugendliche, die sich ergeben wollten, wie Augenzeugen berichteten. Einer der Jungen sei getötet worden. Nach Militärangaben verletzten dagegen in den Häusern verschanzte palästinensische Extremisten zwei Männer. Insgesamt kamen in dem Lager vier Palästinenser ums Leben, am Vortag waren es 20 gewesen.

Auch im Westjordanland rückten israelische Truppen vor. In einem Flüchtlingslager nahe Dschenin wurde nach Berichten des israelischen Rundfunks ein örtlicher Anführer der Al-Aksa-Brigaden getötet. In Nablus erschossen israelische Soldaten ein Al-Aksa-Mitglied bei einem Feuergefecht.

Geänderter Abzugsplan von Scharon erwartet

In Jerusalem wird erwartet, dass Ministerpräsident Ariel Scharon schon am Sonntag seinem Kabinett einen neuen Plan für einen Rückzug aus dem Gazastreifen vorlegt. Nach Informationen aus Regierungskreisen will Scharon den Abzug in drei Schritten gestalten, wobei das Kabinett in jeder Phase neu entscheiden könnte. Außerdem will sich Israel demnach um eine internationale Truppe zur Sicherung der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten bemühen.

DPA / DPA