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Niederlande-Wahl Wilders: "Das sind nicht die 30 Sitze, auf die ich gehofft hatte"

Geert Wilders
Geert Wilders' PVV blieb bei der Parlamentswahl in den Niederlanden damit deutlich hinter den Erwartungen zurück
© Remko de Waal ANP POOL via AP
Ein bisschen Enttäuschung schwang dann doch in seinen Reaktionen mit: Rechtspopulist Geert Wilders twitterte fleißig nach der Parlamentswahl in den Niederlanden. Allzu lange will er nicht die Nummer zwei bleiben.

Enttäuscht, aber kämpferisch - so reagiert der Rechtspopulist Geert Wilders auf die Wahl in den Niederlanden. Am Tag nach der Abstimmung zeigte sich der Chef der Freiheitspartei PVV etwas ernüchtert darüber, dass seine Partei nicht die stärkste Kraft wurde. Klein beigeben will er aber nicht. "Wir waren die drittgrößte Partei der Niederlande. Jetzt sind wir die zweitgrößte. Nächstes Mal werden wir die Nummer 1!, twitterte Wilders, als das Ergebnis der Parlamentswahl in den Niederlanden am Mittwoch Konturen annahm.

"Wir gehören zu den Gewinnern der Wahl, aber ich wäre natürlich gern die größte Partei geworden", analysierte der Politiker am frühen Donnerstagmorgen in Den Haag. "Das sind nicht die 30 Sitze, auf die ich gehofft hatte." Nach der letzten Hochrechnung ist Wilders' Partei drittstärkste Kraft geworden hinter Ruttes Rechtsliberalen und den Christdemokraten. Die PVV erzielte jüngsten Hochrechnungen zufolge 19 Sitze.

Zwar zeigten sich viele Beobachter erfreut darüber, dass Wilders schlechter abgeschnitten hatte, als er und seine Anhänger es sich erhofft hatten. Die Regierungsbildung in den Niederlanden dürfte aber  schwierig werden. Zwar gelang der Partei von Ministerpräsident Mark Rutte nach Auszählung von rund 95 Prozent der Stimmen, Wilders klar abzuwehren. Seine bisherige Koalition mit den Sozialdemokraten kann der seit 2010 amtierende Premier allerdings nicht fortsetzen. Der Bündnispartner wurde massiv abgestraft und erlitt eine in der niederländischen Parlamentsgeschichte beispiellose Niederlage.

Geert Wilders bietet Mitarbeit in neuer Regierung an

So gratulierte denn auch ein selbstbewusster Wilders Regierungschef Rutte. Der PVV-Chef betonte aber zugleich: "Wir haben ein Viertel Sitze dazugewonnen. Hier steht jemand, der sich freut über den Sieg." Rutte habe dagegen kräftig Sitze verloren, wenn seine Volkspartei auch stärkste Kraft geworden sei.

Wilders bot sich in der Nacht zu Donnerstag als Koalitionspartner in einer neuen Regierung an. "Wenn möglich würde ich gern mitregieren, aber wenn es nicht geht (...) werden wir das Kabinett wo nötig unterstützen, bei den Fragen, die für uns wichtig sind", sagte der PVV-Chef. Der 53-Jährige bedankte sich bei seinen Wählern. "Der erste Sieg ist geschafft!", so der 53-Jährige.

Über lange Zeit hatte Wilders den Wahlkampf thematisch dominiert. Ein Verbot des Korans, Austritt aus der EU, Grenzen schließen gerade für Muslime - das waren einige der Forderungen, mit denen seine Partei für die Freiheit für Zündstoff sorgte. Doch die PVV war am Ende weit davon entfernt, aus der Parlamentswahl als stärkste politische Kraft hervorzugehen.

PVV-Chef wird ununterbrochen von Leibwächtern bewacht

Der hochgewachsene Politiker mit der platinblond gefärbten Haartolle stammt aus der Karnevalshochburg Venlo. Seit mehr als zwölf Jahren wird er wegen islamistischer Morddrohungen rund um die Uhr von Leibwächtern bewacht. Er misstraut etablierten Medien und kommuniziert – ähnlich wie US-Präsident Donald Trump - am liebsten über Twitter.

Der gelernte Versicherungskaufmann ist einer der dienstältesten Abgeordneten der Niederlande. Er zog schon 1998 für die rechtsliberale VVD ins Parlament ein. Nach dem Bruch mit der VVD gründete er 2006 die PVV. Diese hatte 2010 ihren bisher größten Erfolg und wurde drittstärkste Kraft mit 24 Mandaten. Bis 2012 hielt Wilders sogar die Minderheitsregierung der VVD und der Christdemokraten im Sattel.

Wilders wertet den Islam als "terroristische Ideologie". Er begründet seine Abneigung mit eigenen Erfahrungen in arabischen Ländern und seiner Liebe zu Israel. Im Dezember sprach ein Gericht ihn der Diskriminierung von Marokkanern schuldig, verhängte jedoch keine Strafe.

Wilders wartet nun auf seine nächste Chance. Schon am Mittwochabend hatte Wilders getwittert: "Rutte ist mich noch lange nicht los".

anb DPA AFP

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