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Gran Canaria: Flüchtlingsdrama vor den Kanaren

Den Traum von einer besseren Zukunft bezahlten 24 afrikanische Flüchtlinge mit dem Leben. Schleuserbanden wollten die verzweifelten Menschen mit einem Boot auf die Kanaren bringen - doch sie erreichten das Festland nicht.

Neues Flüchtlingsdrama vor der Küste Westafrikas: Die Leichen von 24 Afrikanern sind vor der Küste des Wüstenstaats Mauretanien aus dem Atlantik geborgen worden. Bei den Toten handelte es sich nach Angaben der spanischen Behörden um Flüchtlinge, die von Mauretanien auf die Kanarischen Inseln gelangen wollten und dabei mit einem Boot verunglückten. Es wurde vermutet, dass in dem Seegebiet noch mehr Leichen im Meer treiben, hieß es.

Ein spanisches Hospitalschiff, das die Toten geborgen hatte, stellte in der Nacht die Suche nach weiteren Leichen ein und nahm Kurs auf Gran Canaria. Die toten Afrikaner waren vor der Küste Nordmauretaniens, 400 Seemeilen (740 Kilometer) südlich der Kanaren, im Atlantik entdeckt worden.

Die Kanarischen Inseln erleben in diesen Tagen einen beispiellosen Zustrom von afrikanischen Flüchtlingen. Seit dem Wochenende gelangten mehr als 800 Afrikaner - überwiegend von Mauretanien aus - mit Booten nach Teneriffa und Gran Canaria. Die Aufnahmelager der Inseln waren infolge des Zustroms völlig überfüllt, so dass ein Teil der Flüchtlinge in Gebäuden des Militärs untergebracht werden musste.

Treibstoff mit Wasser gemischt

Der Ministerpräsident der autonomen kanarischen Regierung, Adàn Martín, bezeichnete den Zustrom von Flüchtlingen als einen "nationalen Notstand". Er kündete die Schaffung eines Krisenkabinetts an. Der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife, Miguel Zerolo, warf der spanischen Zentralregierung vor, nicht genug zur Bekämpfung der illegalen Zuwanderung unternommen zu haben.

Nach Angaben des spanischen Präfekten auf den Kanaren waren in jüngster Zeit auf der Route zu der Inselgruppe mehrere Flüchtlingsboote havariert. Hilfsorganisationen in Mauretanien hatten kürzlich von 1000 Toten in den vergangenen vier Monaten gesprochen. Das spanische Fernsehen TVE berichtete, einige Boote seien verunglückt, weil Schieberbanden den Treibstoff der Schiffe mit Wasser gemischt hätten, um Geld zu sparen.

Die spanische Regierung beschloss auf einer Krisensitzung einen Dringlichkeitsplan für den Kampf gegen die illegale Zuwanderung. Spanien bot Mauretanien Hilfen für die Überwachung der Küsten an. Dazu will Spanien dem Wüstenstaat unter anderem Patrouille-Schiffe zur Verfügung stellen. Außerdem will Madrid Mauretanien bei der Einrichtung von Aufnahmelagern für Flüchtlinge helfen. Die EU- Kommission und Spanien entsandten eine gemeinsame Delegation nach Mauretanien.

DPA / DPA