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Großbritannien: Medizin-Studenten rufen zum Dschihad auf

Bei ihren Terrorermittlungen hatte die britische Polizei vor allem Mediziner festgenommen. Nun hat die BBC ein Video aus dem Jahr 1998 gezeigt, in dem ein selbsternannter Medizin-Student mit martialischen Worten zum Dschihad aufruft. Ein Student berichtet auch über einen der Attentäter von Glasgow.

Von Cornelia Fuchs, London

In Großbritannien ist ein Video aus dem Jahr 1998 aufgetaucht, in dem ein junger Mann mit Kalaschnikow, Sonnenbrille und Gesichts-Schleier muslimische Medizin-Studenten, Rechtsanwälte und Wissenschaftler in Großbritannien aufruft, seinem Dschihad beizutreten. Er behauptet, er selber sei ein Medizin-Student im dritten Semester aus Birmingham. Der Mann sagt: "Was uns fehlt sind Muslime, die bereit sind zu leiden und sich zu opfern." Er versucht weiter, seine islamischen Mit-Studenten zu beschämen: "Sie haben ihren Job, sie haben ihre Chirurgie und 50, 60 oder 70.000 Pfund im Jahr. Keine Probleme, keine Opfer."

Gefunden hat das Video der Terror-Experte Glen Jenvey, der seit Jahren die Szene militanter Islamisten im Internet beobachtet. "Ich habe das Video von einer Webseite des radikalen Predigers Abu Hamza", sagte Jenvey stern.de Abu Hamza ist der Hassprediger, der in der Londoner Moschee Finsbury-Park jahrelang seine Anhänger mit flammenden Reden aufgehetzt hat. Sein Sohn wurde im Jemen wegen der Beteiligung an Anschlägen verurteilt. Bekannt wurde Hamza durch seine Armprothese, die aus einem Haken besteht. Der Ingenieur soll sich beide Hände beim Bau einer Bombe während eines früheren Aufenthalts in Afghanistan weggesprengt haben. Er wurde im Februar 2006 wegen Aufruf zu Mord und Rassenhass in Großbritannien zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Video wurde während einer Zeit gedreht, in der englische Muslime zum "heiligen Kampf" nach Bosnien oder Afghanistan aufbrachen, um die muslimischen Bosnier gegen Serben und die afghanischen Mudschahedin gegen die sowjetischen Besatzungstruppen zu unterstützen. Viele dieser Kämpfer sind inzwischen wieder nach Großbritannien zurückgekehrt.

Er wünscht Briten den Tod

Die Abendnachrichten der BBC-Nachrichtensendung "Newsnight" zeigten gestern einen ehemaligen Mitstudenten des verhafteten Arztes Abdul Bilal. Der Iraker soll seine Studien in Bagdad begonnen und dann nach Großbritannien gekommen sein. Bilal saß am Glasgower Flughafen im brennenden Jeep und wurde verhaftet. Sein Mit-Student erzählte der BBC, dass Bilal den Kampf der Aufständischen im Irak unterstützt und Briten und Amerikanern den Tod wünscht. Er erinnert sich weiter, dass Bilal einem islamischen Mitstudenten das Video einer Enthauptung vorgespielt habe - weil dieser Gitarre spielte und nicht fünfmal am Tag betete. Er drohte diesem, dass "wir das mit denen machen, die nicht zu uns gehören."

Mindestens die Hälfte der jetzt Festgenommenen sollen dem britischen Inlands-Geheimdienst MI5 bereits bekannt gewesen sein. Sie standen in Kontakt mit bekannten Radikalen. Es bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass einige der Männer erst in Großbritannien radikalisiert worden seien.