Guantanamo Die Gnade des Siegers


Nach zwei Jahren Haft dürfen nun mehr als 100 Gefangene den US-Stützpunkt Guantanamo verlassen - unter ihnen auch zwei Kinder und neun Briten.

Mehr als 100 der auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba festgehaltenen Verdächtigen sollen offenbar bis Januar freigelassen oder verlegt werden. Aus US-Militärkreisen verlautete, eine erste Gruppe werde Guantanamo Ende Dezember verlassen, eine zweite im Januar. Ob die Verdächtigen in andere Haftanstalten gebracht oder den Strafverfolgungsbehörden in ihren Heimatländern übergeben werden sollten, wollte der Gewährsmann nicht sagen. Er erklärte, auch drei Jungen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren könnten im Januar Guantanamo verlassen. Der für den Stützpunkt verantwortliche amerikanische Generalmajor Geoffrey Miller hatte sich bereits im August für einen Transfer der Jungen eingesetzt. Seine Empfehlung war an das Pentagon weitergeleitet worden. Die Jungen leben in Guantanamo getrennt von den anderen Häftlingen. Der Gewährsmann sagte, einer von ihnen habe während einer amerikanischen Militäroperation in Afghanistan möglicherweise einen US-Soldaten getötet.

Zwei Briten noch vor Weihnachten frei

Die USA und Großbritannien stehen unterdessen nach Angaben eines Rechtsanwalts kurz vor einer Einigung über die Rückkehr von neun in Guantanamo festgehaltenen Briten in ihre Heimat. Clive Stafford Smith sagte in der Sonntagsausgabe der Zeitung "The Observer", zwei der Festgehaltenen würden vermutlich noch vor Weihnachten ohne Anklage freigelassen, die sieben anderen würden sich schuldig bekennen und müssten dann ihre Strafe in Großbritannien verbüßen.

Die Einigung laufe vermutlich darauf hinaus, dass sich die sieben Briten in einigen "unsinnigen Anklagepunkten schuldig bekennen müssen", sagte Stafford der Zeitung. Gegen die beiden anderen "liegt einfach nichts vor". Das britische Außenministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht zunächst ab.

Ohne Schutz des Rechtsstaates

In Guantanamo werden seit Beginn des Afghanistan-Kriegs vor zwei Jahren ohne Anklage und ohne einen Rechtsbeistand 660 Menschen gefangen gehalten. Sie werden von den USA verdächtigt, Taliban- oder El-Kaida-Mitglieder zu sein. Bisher wurden 88 freigelassen. Einer der führenden Juristen in Großbritannien hatte in der vergangenen Woche die Inhaftierungen auf dem US-Stützpunkt als rechtswidrig verurteilt. Lordrichter Steyn sagte, das Lager an der Ostspitze Kubas verfolge die einzige Absicht, den Häftlinge jeglichen Schutz des Rechtsstaates zu nehmen und sie "der Gnade der Sieger" auszuliefern.


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