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Amnesty International: Hamas soll im Gaza-Krieg Oppositionelle getötet haben

Schwere Vorwürfe von Amnesty International: Im Gaza-Krieg 2014 soll die radikalislamische Hamas dutzende Oppositionelle ermordet haben. Die Menschenrechtler sprechen von einer "brutalen Kampagne".

Mitglieder der Qassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas

Mitglieder der Qassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas

Die islamistische Hamas hat den Gaza-Krieg im vergangenen Sommer laut Amnesty International systematisch genutzt, um Oppositionelle im Gazastreifen auszuschalten. Dutzende Palästinenser seien während der Kriegswirren hingerichtet oder gefoltert worden, kritisiert die Menschenrechtsorganisation in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Die israelische Luftwaffe reagierte auf einen neuen Raketenbeschuss mit Angriffen auf vier Ziele im Gazastreifen.

Die Hamas habe die Kämpfe mit den israelischen Streitkräften genutzt, um sich ihrer Gegner im Gazastreifen zu entledigen, heißt es in dem Amnesty-Bericht. Sie habe mindestens 23 Palästinenser ohne Gerichtsverfahren hingerichtet und Dutzende weitere gefoltert. Die Exekutionen fanden zwecks Einschüchterung zumeist öffentlich statt. Die Hamas habe "eine brutale Kampagne mit Entführungen, Folter und Verbrechen gegen Palästinenser" geführt, denen ohne jede Beweisführung Zusammenarbeit mit Israel zur Last gelegt worden sei.

Keines der Vergehen geahndet

"Es ist absolut grauenvoll, dass, während die israelischen Soldaten der Zivilbevölkerung des Gazastreifens massive menschliche und materielle Verluste zufügten, die Kämpfer der Hamas dies für eine schamlose Abrechnung ausnutzten", erklärte der Amnesty-Direktor für den Nahen Osten und Nordafrika, Philip Luther. Dem Bericht zufolge verschleppte, folterte und attackierte die Hamas unter anderem Mitglieder der mit ihr rivalisierenden und im Westjordanland regierenden Fatah.

Keines der Vergehen der Hamas-Milizionäre gegen Palästinenser sei nachher geahndet worden. Dies deute darauf hin, "dass die Verbrechen von den lokalen Behörden entweder angeordnet oder gebilligt" worden seien, schrieb Amnesty.

Einige der Taten sind nach Einschätzung von Luther als Kriegsverbrechen einzustufen. Amnesty rief die Behörden im Westjordanland und die den Gazastreifen kontrollierende Hamas auf, zur Klärung der Fälle mit internationalen Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Hamas kritisiert Bericht

Ein Hamas-Sprecher wies die Anschuldigungen zurück. "Dieser unprofessionelle und unglaubwürdige Bericht voller absichtlicher Übertreibungen hat nicht alle Seiten berücksichtigt und auf eine Verifizierung der Informationen verzichtet", sagte Fausi Barhum in Gaza der Nachrichtenagentur AFP.

Bereits im März hatte Amnesty mehreren radikalen Palästinensergruppen und der israelischen Armee Kriegsverbrechen während der Eskalation im Sommer zur Last gelegt. Die Palästinenser wollen dafür verantwortliche Israelis vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) bringen. Israel, das dessen Zuständigkeit nicht anerkennt, leitete in mehreren Fällen eigene Untersuchungsverfahren ein.

Wieder Raketen aus Gaza abgefeuert

Am Dienstag wurde aus dem Gazastreifen der dritte Raketenangriff auf Israel seit Ende des Kriegs unternommen. Dabei wurde niemand verletzt. Die israelische Luftwaffe reagierte auf den Beschuss am frühen Mittwochmorgen mit vier Angriffen in dem Palästinensergebiet. Die Einsätze hätten sich gegen "Terrorinfrastrukturen im südlichen Gazastreifen" gerichtet, erklärte Armeesprecher Peter Lerner. Augenzeugen berichteten, unter anderem seien Trainingsstätten der Organisation Islamischer Dschihad Ziele der Bombardements gewesen. Diese radikale Gruppierung wird hinter dem Beschuss vermutet.

Der Einsatzleiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) im Gazastreifen, Robert Turner, kündigte am Mittwoch an, er werde Mitte Juli aus dem Amt scheiden. Wer Nachfolger des lokalen UNRWA-Direktors wird, der seit Mai 2012 in Gaza tätig ist, wurde noch nicht bekannt.

amt/AFP / AFP